Deadline #1

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DIN A4 116 Seiten
Auflage: 20000 Exemplare
24.1.2007 500
ISBN 419-7-42600-500
deadline Magazin
Yazid Benfeghoul und Andreas Martin Peter GbR
SpieserstraĂźe 34
66386 St. Ingbert
yazid@deadline-magazin.de
http://www.deadline-magazin.de


Inhalt:
Bereits mit „Breitwand – Jetzt im Kino“ geht es gleich in die Vollen – passend zum Titelbild gibt es einen interessanten Zweiseiter zu Saw III und ein ebenso langes „Interview mit Tobin Bell“. Auch solche interessante Titel wie The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning und Lady Vengeance, um nur zwei zu nennen, finden hier entsprechende Erwähnung. Als kleinen Snack zwischendurch gibt’s dann mit „Frischfleisch – Neuigkeiten und Gerüchte“ News, die es in dieser Form sicherlich nicht überall zu lesen gibt. Der unentbehrliche Fantasy Festival Bericht ist „Cinénygma Festival Report“, in dem etliche Perlen herausgepickt, aber auch vor unnötigem Hype gewarnt wird. Zwar gibt es hierzulande zum Thema japanischer Zeichentrick mittlerweile reichlich Infos, doch in „Animeskop“ werden auch endlich mal Normalsterblichen verschiedene Stile näher gebracht und auf jeweilige sehenswerte Vertreter hingewiesen. Eine Gradwanderung ist sicherlich „Horror, privat – mit Bela B. Felsenheimer“, da sicherlich nicht jeder der Leser mit dem Drummer von Die Ärzte sonderlich viel anfangen kann. In der Funktion des Chefs eines Comiclabels und als Horrorfilmfreund im Besonderen war es ihm anscheinend jedoch ein Bedürfnis, eine kleine Glosse zum Thema Erwartungshaltungen abzuliefern. „Worldwild – internationale Filme“ bietet zwar zumeist nur einen sehr kurzen Bericht zu den einzelnen Filmen, doch dafür ist die Anzahl recht beachtlich. Wie stark die Macher mit dem deutschen Homemade Markt verwurzelt sind, zeigen sie dann in „Preview – Dard Divorce“, in dem Infos zum neuesten Olaf Ittenbach Projekt preisgegeben werden. Sogar etwas für die breite Masse wird geboten: „Hirntot – die freundliche Rätselecke“ darf nicht unbedingt als Zugeständnis für den breiteren Markt gesehen werden, auch wenn dieser Gefallen daran finden wird. „Underdogs – Independentfilme und andere Auswüchse“ fördert auf nur drei Seiten Erstaunliches Zutage, was sich vor allem bei der Vorstellung von Jenseits sowie dem Interview mit den Machern manifestiert. Etwas zu kurz kommt „Nachschlag – Literatur vom Fach“, mit nur einer einzigen Seite scheint das Medium, selbst für ein Magazin mit Schwerpunkt auf Film, etwas untervertreten zu sein. Bei „Heimservice – Neu auf DVD“ kommt es dann jedoch, sogar mit Specials und allem Drum und Dran ganz dicke; auf über vierzig Seiten gibt es mehr frischen Stoff auf Scheiben, als der Konsument auch nur annähernd auf einmal verträgt, doch zum Glück gibt es ja Tipps, was empfehlenswert und was absolut unverzichtbar ist. Den Preis für Skurrilität bekommt diesmal „Auf der Bühne – Post-Mortale Lebensformen“, eine Theateraufführung, bei der erklärt wird, wie bei einem Angriff von Zombies reagiert werden sollte, ist wirklich unüberbietbar. „Zeichentrix – Comics am Rand“ teilt zwar das Schicksal der Literatur, doch Qualität siegt hier auf jeden Fall über Quantität. „Im Gespräch mit Jess Franco“ stellt sich so einiges heraus, auch wenn er nur dreizehn Fragen gestellt bekommt sind die Antworten recht reichhaltig. „American Film Market“ rundet dann das Gesamtbild mit einer kleinen Zusammenfassung, was uns in nächster Zeit so erwartet, ab.

Meinung:
Vor über zwölf Jahren, im November 1994 erschien mit einer Auflage von 100 Exemplaren die erste Ausgabe des Fanzines Gory News – entstanden aus dem Mitteilungsbedürfnis des damaligen alleinigen Herausgebers Yazid Benfeghoul. Doch auch er konnte es nicht verhindern, dass die Nummer 11 des stets am blutigeren Film orientierten, und entsprechend mit splattrigen Bildern und Reviews versehenen, Fanzines wegen entsprechenden Antrages einer Indizierung zum Opfer fiel. Nach 23 Ausgaben wurde das Projekt, welches mittlerweile nicht nur viele Autoren, sondern auch eine treue Schar an Lesern für sich verbuchen konnte, eingestellt. Nach etlichen Überlegungen, was die Ziele und Wünsche der Macher mittlerweile waren, kristallisierte sich heraus, dass auf jeden Fall eine breitere Leserschaft angesprochen werden sollte. Unter der Devise „Raus aus dem Untergrund, rein in den offiziellen Kioskmarkt“ entstand die Idee eines Vollfarbmagazins, welches über den Zeitschriftenhandel vertrieben werden sollte – und auch ein neuer Name sollte her, weil der alte nicht mehr zum neuen Konzept passte. Deadline war geboren und sollte die Tradition und den inhaltlichen Stil des Vorläufers fortführen – nur halt in neuem Gewand und für die breitere Masse. Das Resultat, die Nummer 1 von Deadline, setzt diese Idee recht konsequent um und bietet vor allem erst einmal inhaltlich wie stilistisch die Weiterentwicklung des Vorgängers. Zu den Reviews der üblichen mehr oder minder blutigen Filmen gesellen sich nicht nur Mainstreamwerke sondern auch zum Teil recht skurrile Streifen wie beispielsweise Mein Führer oder die Anime Reihe G-Taste. Die Auswahl ist schön kunterbunt, und offensichtlich wird abgedruckt, was Spass macht – egal ob Big Budget oder Homemade. An mancher Stelle wünscht man sich ausführlichere Artikel statt der maximal zweiseitigen Besprechungen, aber was noch nicht ist kann ja noch werden. Die Schreibe von dem einen oder anderen Autoren, wie beispielsweise Helge Dawo, wirkt etwas unpassend, weil sie am Kern der Sache vorbeigehen. Doch solche Ausreißer sind klar in der Unterzahl, und so gibt es fast durchweg erfrischend verfasste Kritiken zu lesen. Die Gory News Leser können sich freuen, denn auf dem Weg zum großen Magazin wurden die Wurzeln beibehalten und der Charme der Fan Texte, deren Autoren auch das lieben, über was sie da schreiben, weicht keinesfalls der teils recht kalten journalistischen Berichterstattung. Zu den bisherigen Autoren gesellen sich auch noch Gastschreiber wie zum Beispiel Jörg Buttgereit, der in seinen Reviews teilweise erstaunlichen Trash zutage bringt.

Ausstattung:
Die eigentliche Veränderung ist jedoch auf jeden Fall die der Erscheinungsweise – zum einen ist der Rhythmus festgelegt, und nicht mehr unregelmäßig wie bisher. Dadurch ergibt sich auch eine stabilere Seitenzahl, die in früheren Zeiten schon mal gerne kurz vor der Zweihunderter Marke stehen blieb. Der Platz wird auch nicht mehr ganz so massiv genutzt, was dem Bleiwüstencharakter sichtlich entgegenwirkt. Das Layout ist frisch und unverbraucht, an mancher Stelle aber auch etwas gewöhnungsbedürftig – hier konnten sich Grafiker aus Agenturen austoben. Leider sind die Texte inhaltlich nicht mit Absätzen unterteilt, was den Blocksatz unübersichtlich erscheinen lässt. Die Bebilderung ist im Gegensatz zum Vorgänger harmlos ausgefallen, was angesichts des offenen Vertriebs mehr als nachvollziehbar ist. Als fast schon spartanisch kann das Cover bezeichnet werden, bei dem neben dem Saw III Motiv nur wenig Text zum Einsatz kommt, aber vielleicht kann Deadline sich ja gerade dadurch optisch von den anderen Filmmagazinen im Handel absetzen. Es bleibt zu hoffen, dass der Markt nach Versuchen wie mit Doom wirklich mal Reif für ein Sprachrohr des Untergrunds ist.

Fazit:
Empfehlenswerte Erstausgabe des Nachfolgers vom Untergrund Sprachrohr – noch nicht an jeder Stelle rund aber sehr vielversprechend !!!

© Heiko Henning
25.3.2007


Infos beim Vertrieb/Verlag:
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Letzte Aktualisierung: 12.03.2017, 22:33 Uhr
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