Torrente – der dumme Arm des Gesetzes

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Originaltitel: Torrente, el brazo tonto de la ley Alternativtitel: Torrente, the Stupid Arm of the Law; Santiago Segura’s Torrente – Der dumme Arm des Gesetzes
Darsteller: Santiago Segura (José Luis Torrente), Javier Cámara (Rafi), Neus Asensi (Amparito), Chus Lampreave (Frau Reme), Tony Leblanc (Vater), Julio Sanjuán (Malaguita), Jaime Barnatán (Toneti), Darío Paso (Bombilla), Carlos Perea (Carlitos), Manuel Manquiña (El Francés), Espartaco Santoni (Mendoza), Antonio de la Torre (Rodrigo), Javier Jurdao (Israel), Carlos Bardem (Cayetano), César Vea (Borja), Manuel Tallafé (El Mudo), Rosa Zhidán (Lio-Chi), Anhi Tran (Wang), Santiago Barullo (Moreno), Luis Cuenca (Barman), Nuria Carbonell (Pili), Carmen Navarro (Kunde in Fischhandlung), Cela Ortega (Student in Fischhandlung), Carlos Lucas (Liborio), Sixto Cid (Colillas), Daniel Monzón („Freak“ ultramarinos), El Gran Wyoming (Comisario), Cañita Brava (Antonio), Mariola Fuentes (Milagritos), Felipe Hita (Matón 1), José Miguel Gómez (Matón 2), Policarpo Díaz als Poli Díaz (Himself), Aquilino Gamazo (Motero billares), Eva Sklar (schwangere Kellnerin), Olga Lorente (andere Schwangere), Juan Dakas (DJ Danch), Luis Gutiérrez (Farrelli), Fernando Sáez (Gumo), Graciano Fernández (Graziano), Javier Bardem (Quinqui del billar), Andreu Buenafuente (Dominguero), Javier Cansado (Enfermero), Gabino Diego (Atracador 2), Carlos Faemino (Enfermero), Hi-Chong Nong (Wang), Máximo Pradera (Polizeiinspektor), Jorge Sanz (Atracador 1), Fernando Trueba (Cura), Santiago Urrialde (Polizei)
Produktion: Andrés Vicente Gómez
Regie: Santiago Segura
Drehbuch: Santiago Segura
Musik: Roque Baños, El Fary, Santiago Segura, Kiko Veneno
Kamera: Carles Gusi
Schnitt: Fidel Collados
Spezialeffekte: Jose Bullejos, David Campos, Pau Costa, Carlos Laguna
Verleih: e-m-s
ErstauffĂĽhrung: 1998 Anolis Entertainment 2.9.2004 Spanien 1998
93:52 Minuten (+ Zusatzmaterial: Trailer Torrente 1:10; Trailer Torente 2 2:07; Making Of 19:45; Bildergalerie 1 2:47; Bildergalerie 2 2:52), 22 Kapitel
Widescreen 1,79:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-9 (6,97 GB) FSK 16


Inhalt:
Es ist kurz vor Mitternacht, als José Luis Torrente eine spanischen Bar betritt und ohne eine Miene zu verziehen einen Drink nach dem anderen kippt, bis es zwölf schlägt, und er den nächsten Drink ablehnt, weil er ab diesem Moment „im Dienst“ ist. Seinen Job als Polizist nimmt er ansonsten auch nicht so ernst, denn die Erfüllung seiner Pflicht sieht er weniger im Bekämpfen von den unzähligen Gewalttaten in seinem Viertel, als vielmehr dem Ausnehmen von unschuldigen Ausländern und dem Missbrauchen seines Vaters als Bettler, damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt. Als dieser sich jedoch nach der Überwachung eines „verdächtigen“ asiatischen Restaurants eine Überdosis Rauschgift verpasst, die er in der von ihm geklauten Frühlingsrolle eines Drogenkuriers gefunden hat, wird sein Sohn aufmerksam und wittert das große Geld. Zusammen mit Rafi, dem Sohn der Besitzerin vom Fischgeschäft, welches sich unter seiner Wohnung befindet, macht er sich daran, das asiatische Lokal zu überwachen. Nachdem er, natürlich mehr durch Zufall, auf eine große Lieferung aufmerksam wird, holt er sich mit den drei Freunden von Rafi die notwendige Verstärkung, um bei dem Zusammentreffen der Gangster abzusahnen…

Meinung:
Was uns Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor Santiago Segura hier präsentiert, ist eine spanische Variante einer Dirty Harry Verarsche. Mit Zurückhaltenderen Worten kann man diesen äußerst anarchischen, bitterbösen und vor allem politisch völlig unkorrekten Film nicht beschreiben. Ähnlich wie in Blade 2 oder seiner Rolle als Heavy Metal Nerd in Alex de la Iglesias El Dia de la Bestia, verkörpert Segura auch hier wieder einen recht kaputten Charakter. Mit Torrente setzt der Regisseur allerdings noch einen gehörigen Schlag Härte obendrauf, womit sich selbst allerdings keinen Gefallen tut. Wer spielt schon gerne einen völlig hässlichen verkommenen und schmierigen Cop, der scheinbar keinerlei moralische oder ethische Grundsätze hat und von einer peinlichen oder ekligen Situation (von seiner Wohnung ganz zu schweigen!) in die nächste tappt? Obwohl – Santiago Segura scheint bei den Dreharbeiten eine Menge Spaß gehabt zu haben, schaut man sich die abgedrehten und teils skurrilen Momente seiner Figur an. Dabei nimmt er ihr gleich in den ersten Minuten jede Möglichkeit, auch nur halbwegs sympathisch zu wirken. Torrente ist nicht nur völlig selbstsüchtig und brutal zu seiner Umwelt, sondern auch noch äußerst ekelhaft und obszön. Alles geht bei ihm unter die Gürtellinie, und seine Sicht der Welt ist jenseits von Gut und Böse. Nicht selten bekommt er dafür auch einen aufs Dach, was er natürlich auch stets als einen Sieg für sich zu verbuchen weiß. Auch die anderen Darsteller, allen voran Javier Cámara in der Rolle des Rafi, liefern, wenn auch partiell nur durch ihr Auftreten oder Aussehen, dazu adäquate Darstellungen ab. Auf diese Art des Humors, der teilweise nur durch seine Skurrilität am Klamauk vorbeischrammt, muss sich der Zuschauer zunächst einstellen, um den Film nicht als abartigen Schrott abzutun. Weibliche Rezipienten werden dabei angesichts des, neben Rassismus und Rentnerverachtung, ständig versprühenden Sexismus sicherlich keinen wirklichen Zugang finden (wollen). Hat man sich jedoch auf den Film eingelassen, schwankt man ständig zwischen einem gehässigen Lachen und Ekel angesichts der dargebotenen Situation. Nicht nur mit vielen Kleinigkeiten, die erst beim zweiten oder dritten Schauen auffallen, versteht es der Film immer wieder zu überraschen – auch bei der recht harten und blutigen Folterszene, die scheinbar komplett aus der sonst vorherrschenden Stimmung heraus fällt, dürfte es für den einen oder anderen Zuschauer eine große Überraschung geben. Doch bei genauerem Hinsehen ist auch das mit eingeplant, denn es findet eine klare Umkehrung von den ersten zwei Dritteln mit Schwerpunkt auf Dialogen hin zum actionreichen, und recht skrupellosen, Finale hin. Der überaus große Erfolg dieses Konzepts gab Santiago Segura zumindest in seinem eigenen Land Recht – wie das hierzulande ausschaut, steht da auf einem anderen Blatt. Es gibt in Deutschland eine eingeschworene Fangemeinde spanischer Filme (wie die von Alex de la Iglesia), die den Film sogar schon im Original und meist mit Untertiteln gesehen hat. Diese werden sich die gut ins Deutsche übertragene Version sicher zulegen, aber ein größerer Erfolg wird sich mangels Promotion bestimmt nur über Mundpropaganda einstellen: Also kaufen, damit sich neben diesem ersten Teil auch der kommende für die Leute von Anolis lohnt, und sie weiter Perlen veröffentlichen können.

Ausstattung:
Sechs Jahre nach seiner Erstaufführung kommt dieses kultige Filmvergnügen endlich in Form einer deutschen DVD in die hiesigen Stores – in sehr guter Bildqualität. An der Schärfe hapert es zwar – wahrscheinlich bedingt durch Rauschfilter – ein wenig, aber der überragende Kontrast macht dieses kleine Manko mehr als wett. Bei den kräftigen, satten Farben tritt vor allem ein erdiger Ton hervor, der als Stilmittel eingesetzt wurde, um die ständig ins Auge stechende Schnodderigkeit noch zu unterstützen.
Was bereits in den ersten Minuten auffällt, ist die ausgezeichnete Synchronisation von Hermes Synchron, die besser klingt, als so manches, was uns von Major Labels vorgesetzt wird. Die deutsche Tonspur bietet einen sauberen Transfer von Dialogen und der Klangkulisse aus dem Frontbereich – wirklichen Surround gibt es allerdings fast nur beim Score zu hören, da die Effekte zwar ganz nett abgemischt, aber zu dezent gehalten sind. Wer der spanischen Sprache mächtig ist, wird bei der zweiten Spur mit mehr Dynamik und auch kräftigerem Sub belohnt – allerdings sind die Dialoge nicht so deutlich verständlich.
Das Zusatzmaterial glänzt mit einer ähnlichen Ausstattung wie die spanische DVD. Neben je einem Trailer zu Torrente und Torente 2 in Dolby Digital 5.1 (!) fällt vor allem das interessante, liebevoll größenwahnsinnig gestaltete Making Of auf, welches netterweise von Anolis nachsynchronisiert wurde, was ja keinesfalls selbstverständlich ist. Abschließend gibt es dann noch zwei Bildergalerien, die Eindrücke des Films vermitteln. Leider gibt es diesmal kein informatives Booklet, sondern nur einen Einleger, aber man kann ja bekanntermaßen nicht alles haben. Was beim Mastering auffällt, ist die Tatsache, dass recht viele Kapitel (22) für einen anderthalbstündigen Film eingesetzt wurden.

Fazit:
Für alle mit „spanischem Humor“ ein Muss – alle anderen sollten vorsichtig an testen !!!

© Heiko Henning
18.10.2004


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=115502 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 02.10.2017, 23:48 Uhr
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