Shiri

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Originaltitel: Swiri Alternativtitel: ---
Darsteller: Han Suk-kyu (Ryu Jung-won), Choi Min-sik (Park Mu-young), Kim Yoon-jin (Lee Myung-hyun/Lee Bang-hee), Song Kang-ho (Lee Jang-gil), Johnny Kim als Derek Kim (Jung Dae-Ho), Yun Ju-Sang, Park Yong-Wu, Park Eun-Suk, Nam Myeong-Ryeol, Jo Deok-Hyeon, Park Jong-Mun, Jeong Jin-Oh, Kim Su-Ro
Produktionsfirma: Kang Je Kyu Film Co. LTD, Samsung Entertainment
Produktion: Moo-Rim Byun, Kwan-hak Lee
Regie: Je-gyu Kang
Drehbuch: Je-gyu Kang
Kamera: Sung-Bok Kim
Musik: Dong-jun Lee
Schnitt: Gok-ji Park
Verleih: e-m-s
ErstauffĂĽhrung: Fantasy Filmfest 20.8.2000 e-m-s 15.7.2004 SĂĽdkorea 1999
125:21 Minuten (+ Zusatzmaterial: DVD2: The Making of „Shiri“ 31:39; Die Stunts & Spezialeffekte 8:45; Beschwörung guter Geister 0:35; Hinter den Kulissen von „Shiri“ 41:01; Musikvideo „When i dream“ 4:44; Originaltrailer 2:38; Original TV-Spot 1:47; Original japanischer TV-Spot 0:17; Slideshow mit internationalem Artwork 1:59), 18 Kapitel
Widescreen 1,85:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital Pro Logic, Koreanisch Dolby Digital 5.1, Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 1xDVD-9, 1xDVD-5 FSK: 16


Inhalt:
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Korea in zwei Staaten geteilt – 1950 löste der kommunistische Norden den Koreakrieg aus, welcher das ganze Land schwer verwüstete. Im September 1992 wird in Nordkorea mit der äußerst brutale Ausbildung einer speziellen Eliteeinheit begonnen, die „8th Special Forces“, deren Aufgabe es ist, einen neuen Krieg herbeizuführen, der die soziale Ungleichheit zwischen dem wohlhabenden Süden und dem äußerst armen Norden auflöst. Die erfolgreichste Attentäterin dieser Gruppe ist Lee Bang-hee, die eine wichtige südkoreanische Persönlichkeit nach der anderen exekutiert, weshalb ihr auch unter anderem die Agenten Han Suk-kyu und Song Kang-ho nachstellen. Im Oktober 1996 verschwindet sie jedoch spurlos, was Han Suk-kyu jedoch keinesfalls dran hindert, weitere Nachforschungen anzustellen, die im September1998 dann mit neuem Material versorgt werden, als wieder ein Mord mit der unverwechselbaren Handschrift der Killerin verübt wird. Han Suk-kyu ist mittlerweile mit Lee Myung-hyun, vor welcher er die Gefährlichkeit seines Berufes geheim hält, verlobt und beide wollen bald heiraten. Darauf nicht sonderlich viel Rücksicht nehmend, ermitteln Han Suk-kyu und Song Kang-ho in dem Fall des ermordeten Waffenhändlers, wobei sich die Spur zu einem Wissenschaftler der Regierung zurückverfolgen lässt. Dieser ist noch vor Eintreffen der Agenten tot, doch das Projekt, an dem er arbeitete, ein enorm explosiver Stoff namens CTX, erscheint sehr lohnenswert für Nordkorea. Ein gerade losgeschickter Transport scheint in Gefahr, doch wieder einmal kommen die beiden Freunde zu spät, und die Waffe ist in den Händen der Terroristen – es stellt sich allerdings die Frage, was sie damit vorhaben…

Meinung:
Hier ist er also, der südkoreanische Blockbuster, der im Heimatland nach 4 Tagen etwa 500.000, nach 9 Tagen 900.000 Besucher vermeldete und den etwa zeitgleich gestarteten Schmalz Titanic überholte. Schlussendlich waren es alleine in Seoul 1,8 Millionen Zuschauer, was den Cameron Ausrutscher schlussendlich auf den zweiten Platz verbannte. Fairerweise muss man dazu erwähnen, dass die einheimischen Filme gesetzlich bevorzugt werden, und so der direkte Vergleich an sich hinkt. Der Titel Shiri wurde von einer Fischart abgeleitet, die in den Gewässern zwischen Nord- und Südkorea hin und her schwimmen. Die dabei symbolisierte Wiedervereinigung der beiden verfeindeten Landesteile ist derweil nicht wirklich allegorisch für das im Film präsentierte Gesamtbild. Zwar wird gesagt, dass die Menschen wieder zueinander finden wollen, doch in den Bildern erkennt man den unverfrorenen Hass untereinander. Genau hier ist der Film auch überdeutlich das, was er bei diesem Thema eigentlich nicht sein dürfte: ausgesprochen Parteiisch. Auf der einen Seite die zwar sehr wohlhabenden, aber friedliebenden Südkoreaner und andernorts sinnen die unter der Armutsgrenze lebenden Nordkoreaner nur nach Rache, bis kein Mann mehr steht. Diese schwarz/weiss Malerei, die auch schon bei 2009 – Lost Memories negativ aufstieß, stört gerade hierzulande den Gesamteindruck. Vor allem die schlussendliche Aussage „Dein Land steht über allem, sogar über deinen Gefühlen“ wird einige vor den Kopf stoßen, die diese Form von Nationalismus nicht kennen und nicht nachvollziehen können. Etwas anders sieht es da schon mit dem Patriotismus der Amerikaner (und dem vom amerikanischsten Deutschen überhaupt: Roland Emmerich) – hier hat man sich bereits an den Patriotismus und das dazugehörige Heroentum gewöhnt, doch wird es dadurch erträglicher? In diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Je-gyu Kang selbst sagt, er habe sich durch die Filme von Größen wie Luc Besson, Michael Bay und John McTiernan, vor allem was den Blockbuster Charakter angeht, hat inspirieren lassen umso bezeichnender. Sieht man von diesem Umstand ab, bekommt der Zuschauer einen sehr lang (über zwei Stunden) furiosen Film mit etlichen Shoot Outs und Explosionen geboten, und das in einer Inszenierungsqualität, von welcher viele Amerikaner nur träumen können. Allerdings sollte man nicht anfangen, und die teils sehr blutigen Schusswechsel mit denen eines John Woo zu vergleichen, nur weil dieser zufällig gerade aus einem ähnlich weit entfernten Land entstammt. Die Südkoreaner arbeiten eher mit einer technologischen Form von Ballerästhetik, anstatt der historisch verwurzelten, an Balletttänze erinnernden Feuergefechte. Wie sehr dieser Bestandteil des Films ausgereizt wurde, zeigt sich zum einen in der Tatsache, dass alleine für 20.000 USD Waffen geliehen wurden, mit denen dann so exzessiv herumgeballert wurde, dass es werbewirksame Anzeigen bei der Polizei hagelte. Diese Schusswechsel werden mit halsbrecherischen Kamerafahrten eingefangen, durch die der Zuschauer mitten im Geschehen ist, und der Adrenalinspiegel angenehm gepuscht wird. Bereits von den ersten Minuten an gibt es szenenweise Action und auch Gewalt pur, wie recht brutale und auch blutige Einstellungen im Trainingscamp der Rebellen zeigen, in welchen die Rekruten zum Abschluss ihrer Ausbildung auf eine Horde Kriegsgefangener losgelassen wird. Ob die in grausamer Intensität gefilmten Abschlachtungen Gefangener hier selbstzweckhaft sind, oder nur den unmenschlichen Kontext unterstreichen sollen, sei einmal dahingestellt. Es verdeutlicht auf jeden Fall wieder die Hetzerei gegen den bösen Norden des Landes, und mit solchen Filmen im Hintergrund wird eine Annäherung der Bevölkerung wohl in nächster Zeit keinerlei Chancen haben. Die Thematisierung der Landesteilung ist im Prinzip eine löbliche Sache, aber hier wird sie eher zu Hasstiraden missbraucht. Die Charakterzeichnungen bleiben ebenfalls zumeist hinter den hiesigen Erwartungen zurück, da zwar an einigen Stellen Gefühle zum Ausdruck gebracht werden, aber die Figuren selbst meist zwischen Klischee und Eindimensionalität hin und her schwanken. Die Schauspieler agieren dabei gegen ein Drehbuch an, welches ihnen wenig Möglichkeit zur Entfaltung der Persönlichkeit – durch fehlenden Hintergrund – bieten. Zwar gibt es einige gefühlstechnische Fäden und große Momente, doch die scheinen irgendwie alleingelassen zwischen der ganzen Action um sie herum. Diese Komponente vermag indes äußerst gut zu unterhalten, da an allen Ecken und Enden geschossen, geballert und explodiert wird. Der Fernseher beleuchtet bei den Explosionen gleich die Nebenräume mit und bei den wilden Schiessereien, die vor allem in der deutschen DTS Variante zum Tragen kommen, klingeln die Nachbarn Sturm. Dabei stört die Unlogik der Action sicherlich niemanden der Anwesenden, denn über was sprechen wir denn hier? Wenn in chinesischen Ghost Stories die Menschen durch die Gegend fliegen, finden es alle toll, und hier dürfen nicht einmal ein paar Soldaten als Kanonenfutter herhalten? Sicherlich ist es etwas hanebüchen, wenn ein ganzes Swat Team von einer handvoll Terroristen (!) niedergemäht wird, ohne dass einer dieser auch nur einen Kratzer abbekommt – aber den Actioner wird das nicht stören, und für ihn sind doch diese Szenen auch, oder nicht? Dafür hat man dann die volle Energie in die „realistische“ Umsetzung der Schiesserei und vor allem auch dem Töten an sich verwendet, was sich auch darin zeigt, dass die Schauspieler etliche Stunts selbst ausgeführt haben, was seinerseits für einige Verletzungen gesorgt hat. Da wird nicht einfach nur umgefallen und gestorben – das Blut spritzt dann und wann in hohen Fontänen, was sogar den einen oder anderen Gorehound auf den Film aufmerksam machen dürfte. Vor allem das furiose Finale bietet in diesem Zusammenhang sehr nette Szenen, die wieder einmal die Frage nach der Logik bei der FSK Vergabe aufwerfen, denn der ähnlich angesiedelte 2009 – Lost Memories wurde nicht mit einem 16er Siegel „ausgezeichnet“. Schlussendlich kann man dieses offensichtlich als Prestigeobjekt der gerade im vollen Saft stehenden südkoreanischen Filmindustrie sehen, welches auch inhaltlich an westliche Erfolge wie beispielsweise Stirb Langsam 3 (Die Hard with a Vengeance) angelehnt, und sogar mit einem Score versehen ist, der stark an die Terminator Reihe erinnert. Damit sollte dann auch der Erfolg außerhalb von Südkorea (mit Ausnahme von Nordkorea natürlich!) gesichert sein, was ja zum Teil auch stimmt.

Ausstattung:
Das Menüdesign ist recht gut ausgefallen, allerdings wurde der gesamte Film in nur 18 Kapitel aufgeteilt, was nicht nur angesichts der 44 auf ausländischen DVDs auf jeden Fall viel zu wenig ist. Im Gegensatz zum Columbia RC1, der fast kein Zusatzmaterial enthält, bekommt man von e-m-s fast die gleichen Extras der Bitwin 2 DVD Special Edition geboten. The Making of „Shiri“ bietet einen guten Überblick sowie eine Schilderung der Charaktere, die für ein Konsumieren vor dem Film fast schon zu tief gehend ist. Die Stunts & Spezialeffekte bieten ebenfalls einen interessanten Einblick, der zeigt, wie hart die Produktion eines solchen Actionepos sein kann. Beschwörung guter Geister ist eher eine Anekdote am Rande, die zeigt, wie abergläubisch selbst Filmemacher sein können. Hinter den Kulissen von „Shiri“ ist das typische „Behind the Scenes“, das die einzelnen Abläufe der Szenen aus alternativem Blickwinkel zeigt. Das Musikvideo „When i dream“ ist ganz nett anzuschauen, wenn auch der Titel selbst für westliche Ohren sehr kitschig klingen dürfte. Der Originaltrailer verrät leider schon einen der Plot Twists der Geschichte im Vornherein, was schon fast ärgerlich ist. Original TV-Spot, Original japanischer TV-Spot und die Slideshow mit internationalem Artwork runden dann den positiven Gesamteindruck ab. Was nicht enthalten ist, sind unter anderer alternativen Szene, Pannen beim Dreh, Infos zur Musikproduktion, TV Statements der Beteiligten sowie Texte zu „Gun Index“ und Cast & Crew. Alternativ zu dieser 2 DVD Special Edition gibt es auch eine sehr schöne limitierte Tin Box mit Prägung – zusätzlich zu der Doppel DVD Box noch ein Filmplakat von e-m-s enthalten.

Fazit:
Ein sagenhafter Film in einer sagenhaften Special Edition – beides mit kleinen Fehlern !!!

© Heiko Henning
25.8.2004


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=115580 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 10.12.2017, 02:24 Uhr
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