Old Men in new Cars

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Originaltitel: Gamle mænd i nye biler Alternativtitel: I kina spiser de hunde 2; In China essen sie Hunde 2; Alte Männer in neuen Autos; Old Men in New Cars – In China essen sie Hunde 2; Old Men In New Cars; Old Men in New Cars: In China They Eat Dogs II
Darsteller: Kim Bodnia (Harald), Nikolaj Lie Kaas (Martin), Tomas Villum Jensen (Peter), Brian Patterson (Vuk), Torkel Petersson (Ludvig), Iben Hjejle (Mille), Jens Okking (Munken), Jacob Haugaard (Erling), Slavko Labovic (Ratko), Thomas Rode Andersen (Dan Hansen), Dorte Daugberg (Sygeplejerske), Anna-Britt Mathiasen (Bankangestellter), Jacob Michelsen (Bankangestellter), Kristian Wasshede als Kistian Wasshede (Hotelportier), Josefine Bergsøe (Charterstewardess), Pia Ingemann Petersen (Laungestewardess), Linda Daae (Bente Halsted), Marie Hilgaard (Tankwart), Zarko Labovic als Sarko Labovic (Ratkos slæng), Milutin Gercevic (Ratkos slæng), Zoran Evkovski (Ratkos slæng), Dennis Albrechtsen als Dennis Albrethsen (Pilot), Erik Holmey (Flughafen vagt), Nenad Belancic (Vagt vaskehal), Jessica Flatting (TV4 vært), B.S. Christiansen (Polizist auf Flughafen -uncredited)
Produktionsfirma: Thura Film A/S
Produktion: Michel Schønnemann
Regie: Lasse Spang Olsen
Drehbuch: Anders Thomas Jensen
Kamera: Henrik Kristensen
Musik: George Keller
Schnitt: Mikkel E.G. Nielsen
Spezialeffekte: Steen Lyders Hansen, Søren Buus, Lasse Spang Olsen, Steen Herdel
Verleih: e-m-s
Erstaufführung: Kino: e-m-s (Fantasy Filmfest) 31.7.2003, Kino: 3 L Filmverleih 17.3.2005 e-m-s 18.8.2005 Dänemark 2002
92:29 Minuten (+ Zusatzmaterial: Behind the Scenes mit Originalton/mit Audiokommentar 10:15; Storyboard Video 3:14; Originaltrailer: deutsch 2:00, dänisch 1:51; Bildergalerie 1:35) 20 Kapitel
Widescreen 1,78:1 anamorph
Deutsch Dolby Pro Logic, Dänisch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 5.1, Dänisch Dolby Digital 5.1, Audiokommentar Lasse Spang Olsen Dänisch Dolby Digital 2.0; Untertitel: deutsch, deutsch Audiokommentar
Ländercode: 2 DVD-9 FSK: 16


Inhalt:
Harald Blixen ist gerade mal aus den Gefängnismauern heraus, die ihn einige Zeit beherbergten, da wird er schon von der hiesigen Balkanmafia auf seine Schulden – und deren Begleichung – bei Ihnen angesprochen. In der Küche seines Ladens angekommen muss er feststellen, dass hier in den wenigen Jahren, in denen er weg war, einfach alles verändert wurde. Den von seinen Köchen Martin und Peter eingestellten Vuk feuert er bei der Gelegenheit gleich wieder – um ihn dann umgehend auf Anraten der Balkanmafia, unter denen sich auch Vuks Onkel befindet, wieder einzustellen. Als würde das alles noch nicht reichen, wird ihm zudem mitgeteilt, dass Monk, der für ihn wie ein Vater ist, im sterben liegt – am Krankenbett nimmt dieser ihm das Versprechen ab, seinen unehelichen Sohn Ludvig aufzutreiben. Nachdem dieser aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Schweden Befreite sich als psychisch gestörter mehrfacher Frauenmörder herausstellt, gilt es, auch noch aufzupassen, dass in seiner Gegenwart nicht zu viele Frauen „hinfallen“. Da Monk seine Leber versoffen hat, ist es für Harald Ehrensache, Geld für die illegale Beschaffung eines neuen Organs aufzutreiben, aber ein Versuch nach dem anderen scheitert – und mit jedem Scheitern wird der Stapel Leichen höher…

Meinung:
Lasse Spang Olsen (The Collector, The Good Cop, Davids Buch) begann seine Karriere mit einer Ausbildung zum Kameramann und später wurde er zu einer Koryphäe als Stunt Koordinator. Sicherlich nicht zuletzt deshalb gründete der am 23.4.1965 geborene Olsen im Jahre 1986 Dänemarks erste Stuntschule. Er war bislang bei mehr als 300 dänischen und ausländischen (auch deutschen) Produktionen für Stunt Aufnahmen und Spezialeffekte zuständig. Da wundert es nicht wirklich, dass nach dem – scheinbar endgültigen – Wechsel in den Regiestuhl auch in diesen Filmen die Fetzen fliegen. Nach dem überragenden Erfolg von In China essen sie Hunde war es mehr als nachvollziehbar, dass dieser zum Sprungbrett in den weltweiten Markt für den Regisseur Olsen, seine Crew und sogar Dänemark als Filmschaffendes Land genutzt wird. Um gleich anzuknüpfen gibt es natürlich einen zweiten Teil, doch in diesem Falle wurde, aufgrund des Finales vom Vorgänger, die Geschichte des zweiten Films vor dem ersten angelegt. Doch kann dieses Prequel mit dem mittlerweile als Kultfilm gefeierten I Kina spiser de hunde, so der Originaltitel, mithalten? Namentlich ordnet sich der Film durch seinen Zusatztitel In China essen sie Hunde 2 (I kina spiser de hunde 2) hinter die Handlung des ersten Teils ein, was erst mal ein wenig verwirrt. Bis auf die Tatsache, dass die Vorgeschichte (wie beispielsweise Vuk in der Küche landet) erzählt wird, bekommt der Zuschauer eigentlich das, was er erwartet, nur halt nicht unbedingt auf die Weise, wie er es erwartet. Sehr skurrile Charaktere, die für einige Spaßbomben gut sind – wenn man diese Art von Humor, über die bereits beim ersten Film heiss diskutiert wurde, mag. So darf Kim Bodnia (The Collector, Good Cop, Nachtwache) in der Rolle des Harald wieder herrlich politisch unkorrekt sein und aus dem Vollen schöpfen, wenn es darum geht sich von einem Tobsuchtsanfall in den nächsten zu begeben. Die Teile seiner Umwelt (Ausländer, Männern, Frauen oder auch Hunde), die nicht in sein Schema passen, oder einfach im Weg sind, werden mit derben Sprüchen attackiert und bei nervigen Vertretern spricht auch mal zuerst die Waffe, bevor große Diskussionen entstehen. Wer nicht seine brutale bis kaltblütige Seite zu spüren bekommt, macht zumindest Bekanntschaft mit seinem partiell sehr rassistischen Mundwerk, was ihn nur in Verbindung mit der völligen Überzeichnung sympathisch macht. Ihm zur Seite stehen natürlich wieder Nikolaj Lie Kaas (Brothers, Dänische Delikatessen, Old Men in new Car) und Thomas Villum Jensen (Dänische Delikatessen, Old Men in new Car, Angel of the Night). Bei den Köchen von Haralds Geschäft wird gleich wieder von Anfang an klargestellt, wer hier das Sagen hat – sie nicht. Sie sind der scheinbare Ruhepol im durchgedrehten Ganzen, doch gegen die Gewalt ihres „Unterdrückers“ wissen sie auch nichts entgegenzusetzen. Einen Gegenpart zu Bodnia übernimmt diesmal Torkel Petersson (Kops, Jalla! Jalla!, Zeugen in Angst), der den sympathisch kindlichen irren Frauenmörder Ludvig spielt. Obwohl auch seine Taten und die dazugehörige Mordlust eigentlich nur zu verurteilen sind, kann man ihm nicht so recht böse sein. Alleine seine haarsträubenden Ausreden sind Gold wert – ebenso wie die fast gleichgültigen Reaktionen seiner drei Mitstreiter. Einen starken Gegenüber findet Harald auch in der selbstmörderisch veranlagten Mille, die berauschend von Iben Hjejle (The Collector, The Good Cop, Besessen) umgesetzt wird. Sie ist für einige Running Gags gut und bietet einen starken Gegenpol zu der einnehmenden Hauptfigur, was für ansprechende Abwechslung sorgt. Aber auch sie ist alles andere als normal und bildet mit dem Frauenmörder ein Dreamteam, dass einige sehr bedenkliche Gespräche führt, wie beispielsweise dieses über Sex: „Ludvig: Naja, ich hab es noch nicht so besonders oft gemacht – nur mit dir und mit meiner Mama. Mille: Ich dachte das ist verboten. Ludvig: Ach naja – das war ja auch in Schweden. Mille: Wie war deine Mutter? Ludvig: Ich glaub, ganz OK – ich hatte nicht so besonders viele Vergleiche. Ich hab mit ihr zusammen gelebt, bis ich zwölf Jahre alt war. Mille: Ich dachte sie ist gestorben, als du neun warst. Ludvig: Ja, ist sie auch. … Mille: Du bist süß.“ Dagegen tritt Brian Patterson (The Collector, Jolly Roger, In China essen sie Hunde) als stets arg verschlissener Handlanger Vuk schauspielerisch in den Hintergrund. Da er weniger Text und auch kaum Möglichkeit zum Ausdruck bekommt, wirkt die Figur diesmal recht eindimensional. Seine Unfälle scheinen meist nicht wirklich spontan und sehr häufig gibt es auch einfach nur mit der Groben Kelle von Harald, was nicht wirklich originell oder spaßig ist. Interessanter ist da schon Monk, im Original Munken, der eigentlich nichts anderes macht als im Bett zu liegen, und doch wirkt er stets sehr präsent. Jens Okking (The Collector, The Good Cop, Geister) verpasst dem im Sterben liegenden Haudegen trotz kurzer Auftritte eine überraschende Plastizität. Die Dialoge sind gut gewählt, und so ist der alte Mann wesentlich wichtiger für den Film, als es zunächst den Anschein macht. Außerdem gibt es natürlich reichlich Action, die gar nicht erst versucht, einen logisch nachvollziehbaren Eindruck zu erwecken. Da fliegen Tonnen von Kugeln durch die Luft, von den Helden wird keiner auch nur einmal leicht verwundet, während die Gegenüber fallen wie die Fliegen. Allerdings wird mit der Brutalität zurückhaltender umgegangen, als im handlungstechnischen Nachfolger, der ja an einigen Stellen nicht nur sehr rabiat, sondern auch blutig ausgefallen ist. Die Flucht ist auch kein Problem, da irgendwann die Verfolger nach halsbrecherischer Jagd einfach auf der Strecke bleiben und scheinbar keine Zeugen mehr aussagen konnten. Der Materialverschleiß ist wieder enorm und Lasse Spang Olsen zeigt abermals so richtig, was er verdammt gut kann. Nicht ganz so gut ist es diesmal leider um die Story von Anders Thomas Jensen beschieden, die sehr gut eingefädelt wird und etliches zu bieten hab, aber leider kein wirklich adäquat furioses Finale zu bieten vermag. Auf dem Weg gibt es jedoch neben der äußerst rasanten Action und ein wenig Gefühl reichlich zu lachen. Wobei, wie gesagt, ein etwas schmerzfreier Sinn für Humor von Nöten ist, da über Dinge gelacht wird, die im wahren Leben einfach nicht witzig sind. Umso befreiender ist es, mal herzhaft zu lachen wenn jemand geschlagen, überfahren oder erschossen wird – auch wenn man danach vielleicht ein wenig überrascht über sich selbst ist. Old Men in new Cars hat folgende Auszeichnung bekommen: Hamburg Film Festival 2002: Digi@ward für Michel Schønnemann, außerdem noch folgende Nominierungen: Robert Festival 2003: Bester Schauspieler für Kim Bodnia, Bester Schnitt für Mikkel E.G. Nielsen, Bestes Drehbuch für Anders Thomas Jensen, Beste Special Effects für Steen Lyders Hansen/Søren Buus/Lasse Spang Olsen/Steen Herdel.

Ausstattung:
Das Bild dieser deutschen DVD aus dem Hause e-m-s macht einen besseren Eindruck, als es bei der DVD des ersten Films bei Kinowelt der Fall war. Es gibt zwar eine leichte Unschärfe, aber ansonsten wird der Film genauso wiedergegeben, wie es sich der Regisseur beim Dreh gedacht hat. Die satten Farben und der sehr gute Kontrast erfreuen das Auge – die Kompression erledigt ihre Aufgabe im Hintergrund unauffällig.
Ganze vier Tonspuren gibt es hier zur Auswahl, und die sind alle sinnvoll, denn das deutsche Pro Logic sowie das dänische 2.0 sind sehr gut für eine Stereoausgabe geeignet. Hier werden die Dialoge und Umgebungsgeräusche äußerst passend wiedergegeben – wo die 5.1 Spuren natürlich klar punkten können, sind die Effekte der Action, doch dafür gibt es die Dialoge hier meist nur aus dem Center. Was etwas stört, aber auch im Original so ist: die Balkanmafia, wie auch Vuk, werden akzentfrei synchronisiert, was beim Vorläufer durch auswärtigen Slang einen gewissen zusätzlichen Reiz ausmachte.
Nach dem Einlegen der DVD erwartet den Rezipienten ein sehr nettes Menü, welches ansprechend und sehr passend gestaltet wurde und wieder einmal zeigt, was für Mühe sich die Schaffenden gegeben haben. Bei dem Zusatzmaterial sieht es leider nicht ganz so rosig aus – wobei selbst die dänische Scheibe außer einem DVD-ROM Part nicht mehr zu bieten hat. Auf den ersten Blick erscheint nur das Behind the Scenes mit Originalton oder Audiokommentar interessant, worin der Aufbau der Effekte sehr anschaulich gezeigt wird. Das Storyboard Video und die Originaltrailer in Deutsch (nicht anamorph) und Dänisch (anamorph) sind zwar ebenso wie die Bildergalerie nett anzuschauen, aber mehr leider nicht. Ein wahrer Glücksgriff ist allerdings der Audiokommentar vom Regisseur Lasse Spang Olsen, der nicht nur einiges Hintergrundwissen und Anekdoten zum Film wiedergibt, sondern auch einige bissige Bemerkungen ablässt. Warum für den Film nicht mehr Zusatzmaterial produziert wurde (auch im eigenen Land) ist, gerade wenn man den enormen Erfolg von In China essen sie Hunde bedenkt, sehr unverständlich.

Fazit:
Sehr guter Nachfolger/Vorgänger des Kultfilms, etwas anders, aber sehr gut – die DVD hat zwar Mängel, bietet aber doch sehr gute Ware fürs Geld !!!

© Heiko Henning
10.9.2005


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=115722 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 23.05.2017, 18:06 Uhr
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