Night Of The Vampire Hunter

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Originaltitel: Nachtschatten Alternativtitel: Night Shade
Darsteller: Nicole Bujard als Nicole Müller (Selin), Stefan „Cheesy“ Keseberg (Jens Feldner/Henry Gloom), Alex Kaese (Arnold Zahn), Peter Schrader (Franco Herkenrath), Michael Nack (Gregor Seidel), Erich Amerkamp (Teddy), Roland von Unruh (Kai Wrings), Birgit Bujard (Nutte), Guido Meyer de Voltaire (Brian Pileggi), Volker Jacquemien (Volker), Alexander Derkum (Verleger), Ulli Bujard (Frank Meurer), Helmut Bujard (TV-Reporter), Dieter Neubert (Barkeeper), Guido Meyer de Voltaire/Daniel Hauenstein/Sven Krautkrämer/Nick Homfeldt (Aardvarks Band), Enrico Amerkamp (Vampir), Willi Müller (Vampir mit Tattoo)
Produktionsfirma: Coffeebeans Entertainment
Produktion: Nicole Bujard als Nicole MĂĽller
Regie: Ulli Bujard
Drehbuch: Nickel Keller (Ulli Bujard, Nicole Bujard)
Kamera: Herwig Bartalszky
Musik: Guido Meyer de Voltaire, Oliver Weiskopf
Schnitt: Dennis Hauenstein, Hakan Tan
Digitale Spezialeffekte: Herwig Bartalszky
Special Make-up Effekte: Nicole Bujard als Nicole MĂĽller
Licht: Ulli Bujard
Ton: Chris Bujard
Verleih: Astro Records & Filmworks 2001
ErstauffĂĽhrung: 2001 EuroVideo 14.10.2004 Deutschland 2000
94:42 Minuten (+ Zusatzmaterial: Kaffeeklatsch 22:22; Bloopers 2:59; Rollenenden 2:53; Geschnittene Szenen: Jens Duscht 0:39, Die Fotokiste 1:04, Das Manuskript 1:08, Selin und ihr Album 0:51, Selin steckt Fotos ein 1:16, Selin tötet Wrings 4:49, Selin klebt Fotos ein 1:08, Selins Album 1:02, Wieder Mensch! 0:57, Konfrontation 0:59, Verfluchte Badezimmertür! 3:23; Storyboard-Film Vergleich 6:03; Trailer 1 1:23; Trailer 2 1:55; Featurette 2:42; Foto Galerie 3:15), 16 Kapitel
Widescreen 1,85:1
Deutsch Dolby Digital 2.0, Audiokommentar Ulli Bujard/Nicole MĂĽller Dolby Digital 2.0, Audiokommentar Herwig Bartalszky/Erich Amerkamp Dolby Digital 2.0; Untertitel: englisch
Ländercode: 2 DVD-9 FSK 16


Inhalt:
Henry Gloom ist Heftromanautor und hat dem Vampirmythos zu neuem Ruhm verholfen – seine Heftreihe Nachtschatten ist ein Verkaufsschlager. Doch seine Behauptung während eines Interviews für das Magazin Doom (real existierend, aber leider eingestellt), alles wäre Fiktion, ist glatt gelogen. Selbst seine Freundin Selin gehört zu den Blutsaugern und diese geht sogar auf Jagd nach ihren Artgenossen, was sie allerdings schnell selbst zur Gejagten macht...

Meinung:
Endlich ist es einem deutschen Homemade Filmer gelungen, ein wirklich ernst zu nehmendes Werk mit brauchbaren Schauspielern, unter welchen sich auch Peter Schrader der Manager des UCI Kinos in Hürth befindet, zu realisieren. Kein sinnloses Abschlachten mit Akteuren, die dämlich in die Kamera grinsen oder hölzern ihren Text herunterleiern. Keine Effekte, die einfach nur deshalb so reichlich eingesetzt werden, damit die Zuschauerschaft nicht augenblicklich ins Koma fällt. Bereits nach der Anfangssequenz des aufwendig in Szene gesetzten Films, in der man den „Meister“, Ulli Bujard, selbst wieder einmal in Aktion sieht, hat man vergessen, dass es sich ja eigentlich um einen Amateur Film handelt und kann direkt in die Handlung eintauchen. Diese hat zwar bekannte Bestandteile mit dem Vampirmythos, weiß aber geschickt eigene Ideen und Variationen einzubringen, ohne dem Vorbild untreu zu werden. Zwar wirken die Ermordungen von Vampiren mit normalen Messern und sonstigen Haushaltsgegenständen etwas befremdlich und die fehlende Nachtsicht der Blutsauger sowie nicht vorhandene Angst vor Kreuzen ebenfalls etwas unüblich, doch diese Bestandteile gehen durchaus als innovativ durch. Humorvolle Einlagen wie das Auftauchen des damals in Fankreisen hochgelobten Magazins Doom, oder die Tatsache, dass ein Horrorautor mit Dartpfeilen auf ein Bild von Stephen King wirft, sorgen für Schmunzeln beim Genre Zuschauer. Die Hobby Schauspieler gehen mit ebensolchen Herzblut an die Sache, wie auch die beiden Köpfe (Nicole Müller – mittlerweile Nicole Bujard – und Ulli Bujard) des Ganzen, was zu erstaunlichen Ergebnissen führt. Das ist umso beachtlicher, als dass sich die Dreharbeiten insgesamt fast drei Jahre hingezogen haben – in welchen die Leute sicher noch anderes zu tun hatten, als hier mitzuspielen. Dabei gibt es natürlich das eine oder andere Problem mit der Continuity, wie der Wechsel von Frisuren oder Einrichtungen – aber angesichts der Drehlänge sind diese Fehler erstaunlich selten. Das Timing des Schnittes und der entsprechenden Bilder passt, und der Text wirkt durchdacht und in sich stimmig, was ja bei Homemade Filmen nicht selbstverständlich ist. Selbst der Score von Guido Meyer de Voltaire und Oliver Weiskopf sowie die Musik begeistern und können auch neben dem Film bestehen, da „einfach“ eine bestehende Band in den Film integriert wurde. Dass diese mit ihrem düsterem Metal ins Thema passt, versteht sich von selbst, zumal der Sänger auch noch eine passende Rolle übernommen hat. Die Effekte von Herwig Bartalszky, die – zunächst unfreiwillig – zum großen Teil als CGI (computergeneriert) entstanden sind, wissen vor allem durch ihre Dezentheit zu begeistern. Natürlich zeigt sich an wenigen Ecken noch, dass es sich nicht um einen Big Budget Film handelt, denn beispielsweise die Nachvertonung wirkt nicht an jedem Punkt passend. Dadurch dass auf Super 8 gedreht wurde, und nicht auf Video, sieht das Bild wunderbar roh und ungeschliffen aus. Andererseits bedeutete das auch einen nicht unerheblichen Mehraufwand bei der Ausleuchtung, und wo der Einsatz von Strahlern, die ein Fußballstadion zum Erstrahlen bringen könnten, nicht möglich war, ist das Bild insgesamt sehr dunkel und an wenigen Stellen unschärfer. Die Wohnungen, die als Drehort herhalten mussten, wirken zum teil recht spießig – mit einem Schwimmbad, einer Kneipe sowie einem Fotogeschäft gibt es allerdings auch Abwechslung bei den Schauplätzen. Ergo: wenn man den Leuten Geld gibt, denn wird dem deutschen Markt endlich mal ein vernünftiger Anstoß aus diesem Genre gegeben, der uns vielleicht auch mal international zu Erfolgen führt. Aufgrund eines Titelproblems heißt der Film nun übrigens nicht mehr Nachtschatten (auch in der englischen Version nicht mehr Night Shade), sondern Night Of The Vampire Hunter. Eine Dame meint hier, den Namen mit ihrem gleichnamigen Film von 1971 gepachtet zu haben! Vor allem der Eintrag in der Internet Movie Database störe sie dabei – es ist ja nicht so, dass es dort etliche Filme mit gleichem Titel gibt! Aufgrund seines großen Erfolgs lief Night Of The Vampire Hunter übrigens sogar am 30.11.2003 auf dem Filmfestival im spanischen Sitges!

Ausstattung:
Das Bild der Neuauflage von EuroVideo ist etwas besser als die ursprüngliche Veröffentlichung aus dem Hause Astro. Allerdings gilt auch hier: das Resultat kann nicht besser sein, als das Original – wobei ein wenig Nacharbeit gerade bei den analogen Defekten, die sich zu Anfang häufen, sicherlich nicht verwerflich gewesen wäre. Im meist viel zu dunklen Bild geht sowohl der Kontrast, wie auch partiell die Schärfe unter, und auch die Farben könnten kräftiger sein.
Der Ton ist hingegen solide und ist in Dolby Digital 2.0 bei allen drei Spuren (zwei Audiokommentare) auf der Disk – Astro hatte seinerzeit Dolby Pro Logic. Die Dialoge sind gut verständlich und gehen eine adäquate Verbindung mit dem Score ein – die englischen Untertitel (auf Astro DVD nicht enthalten) sind übrigens fälschlicherweise als deutsch markiert. Räumlich wirkt das Ganze durch den Stereo Ton natürlich nicht, und auch der Subwoofer langweilt sich, da auch in actionreicheren Szenen nicht aufgedreht wird. Die beiden zusätzlich enthaltenen Tonspuren mit Kommentaren von Nicole Müller/Ulli Bujard und Herwig Bartalszky/Erich Amerkamp sind interessant zu hören. Vor allem die beiden Hauptinitiatoren des Films bringen essentielle Informationen an den Tag, so dass sich ein zweiter „Durchgang“ mit diesem Kommentar mehr als lohnt.
Das Zusatzmaterial ist jedoch der wirkliche Bringer und rechtfertigt sogar einen Neukauf, wenn die Erstauflage bereits im Regal steht. Statt dem sehr kurzen Making Of, dem eher langweiligen Behind The Scenes und der netten Kino Premiere auf der alten DVD gibt es hier fast komplett neues Material. Der mit englischen Untertiteln versehene Kaffeeklatsch macht einen sehr guten und vor allem professionellen Eindruck mit interessanten Fragen an die Belegschaft. Die Bloopers – ebenfalls mit Untertiteln – zeigen ganz nett anzuschauende Pannen beim Dreh. Bei den Rollenenden gibt es mal zu sehen, was man noch alles mit dem letzten Fitzelchen Film gemacht wird, für den sich keine Einstellungen mehr lohnen – leider mit nerviger Techno Mucke unterlegt. Meist recht informativ sind elf Geschnittene Szenen, die automatisch mit Kommentar von Ulli Bujard unterlegt sind – partiell werden sogar ein paar Zusammenhänge oder Einzelheiten klarer, und vor allem zeigt sich, an was Filmemacher so alles denken. Einen Storyboard-Film Vergleich gibt es ja mittlerweile bei einigen großen Filmen – bei einem Amateur Streifen dürfte das allerdings ein, wenn auch recht grobes, Unikum sein. Neben dem ersten Trailer, der einen etwas besseren Eindruck macht, als die üblichen Homemade Vorstellungen (allerdings ist auch die obligatorische oben ohne Szene enthalten), gibt es einen fast schon professionell aussehenden mit optionalen englischen Untertiteln. Offensichtlich ebenfalls zu Promotion ist die Featurette (mit englischen Untertiteln) gedacht, und diesen Zweck erfüllt sie auch sehr gut. Die Foto Galerie ist als Einziges eine Wiederverwertung von den Bildern der Slideshow (Astro DVD), allerdings in anderer Reihenfolge und anders präsentiert (leider etwas schnell abgespielt). Es sind zwar weder der Film noch das Menü anamorph codiert, doch dafür haben sich die Macher mit dem Menü mal was Nettes einfallen lassen, und dies sauber durchgezogen, was sich auch in der Navigation niederschlägt. Die Kapitelzahl wurde nahezu verdoppelt, was das Widerfinden von bestimmten Passagen sicher deutlich erleichtert. Trotz der FSK 16 Freigabe ist diese Version übrigens ungeschnitten – Astro hatte sich damals kurzerhand gar nicht erst die Mühe einer Prüfung gemacht.

Fazit:
Äußerst überzeugender Independent Film aus deutschen Landen – mit noch mehr Hintergrundinfos versehen !!!

© Heiko Henning
7.2.2005


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.coffeebeans-entertainment.de (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 12.03.2017, 22:33 Uhr
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