Keizoku – ungelöste Morde

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Originaltitel: Keizoku eiga Alternativtitel: Keizoku: The Movie; Keizoku – Unsolved Cases; Beautiful Dreamer
Darsteller: Miki Nakatani (Jun Shibata), Atsuro Watabe (Tôru Mayama), Sarina Suzuki (Aya Kido), Katsuhisa Namase (Tohyama), Yu Tokui (Akio Kondô), Masahiro Takagi (Asakura), Katsuyuki Murai (Madarame), Koyuki (Nanami Kirishina), Hairi Katagiri (Hasegawa), Tomorowo Taguchi (Takiyama), Toshiya Sakai (Kita), Hachiro Misumi (Naito), Hiroki Okawa (Kurihara), Yoshihiro Nozoe (Nihira), Nanako Ôkôchi als Nanako Ookôchi (Shoko/Miku), Shigeru Izumiya (Kunio Tsubosaka), Raita Ryu (Kôtarô Nonomura), Eisei Amamoto, Inuko Inuyama, David Itô, Pinko Izumi, Kera, Kenichi Yajima
Produktionsfirma: Tokyo Broadcasting System, Kadokawa Shoten, King Records
Produktion: Hiraki Ueda, Setsuro Tagami, Kazuya Hamana
Regie: Yukihiko Tsutsumi
Drehbuch: Yumie Nishiogi
Musik: Akira Mitake
Kamera: Satoru Karasawa
Schnitt: Soichi Ueno
Visual Effects: Fumihiko Sori
Verleih: Anolis Entertainment
Erstaufführung: 4.3.2000 Japan Anolis Entertainment 20.1.2005 Japan 2000
114:16 Minuten (+ Zusatzmaterial: Trailer 1:00; Trailer Export 1:17; Making Of 15:39; Interview 55:45; Bildergalerie 1:39), 23 Kapitel
Letterboxed 1,78:1
Deutsch Dolby Digital 5.1, Japanisch Dolby Digital 2.0; Untertitel: deutsch Textübersetzung, deutsch
Ländercode: 2 DVD-9 (7,21 GB) FSK 16


Inhalt:
Bei einem seltsamen Treffen sprengt ein Mann den anderen mit einer Handgranate, die mit einem regelrechten Atompilz explodiert, in die Luft – als Rache für Madarame. Jun Shibata wacht nach einer seltsamen Vision mit Sabber auf der Wange im Krankenhaus bei Tôru Mayama auf – sie ahnt dass es Geheimnisse zu klären gibt. Kôtarô Nonomura, der Chef von Keizoku, einer Unterabteilung der Polizei wird wegen nichts tun degradiert, was ihm die geplante Scheidung von seiner Frau durch eine geringere Pension verhagelt – so kann er seine äußerst junge neue Liebschaft nicht heiraten. Jun Shibata wird neue Chefin und bekommt gleich einen äußerst mysteriösen Fall: eine französisch sprechende Dame und die junge Nanami Kirishina laden alle Überlebenden eines Fährunglücks, welches sich vor fünfzehn Jahren ereignet hat, sowie das Keizoku Team auf die Insel Yakujin ein. Doch auf dieser Insel passieren merkwürdige Dinge – Hubschrauber und Schiffe sind angeblich verschwunden – die nun auch das Leben der Gäste bedrohen…

Meinung:
Bei den ersten Szenen könnte man noch der Meinung sein, die Bilder seien als Hommage für das teils verwirrende Werk von David Lynch gemeint. Erst nach und nach kann der westliche Zuschauer in das Geschehen einsteigen und die Handlungsstränge nachvollziehen. Alles ist nicht nur mit typisch japanischem Overacting überzogen, sondern legt auch eine erstaunliche inhaltliche Skurrilität an den Tag. Doch das Hauptproblem ist die Tatsache, dass dieser Film die Fortsetzung und den Abschluss der Serie des Senders TBS darstellt, die seit 1.1.1999 ausgestrahlt wurde. Die Figuren und Story-Arc werden weitergeführt und finden zum Großteil ihre Auflösung im Fullfeature. Im Gegensatz zu anderen – vor allem westlichen – Filmfortsetzungen von Serien wird hier nicht auf eine in sich geschlossene Handlung gesetzt, die man auch ohne Kenntnis des Vorläufers versteht. Immer wieder tauchen unverhofft unbekannte neue Figuren ohne erkennbaren Zusammenhang auf und es finden insgesamt drei finale Schlachten statt (sehr nett anzusehen). Um also mit dem Geschehen Schritt zu halten ist besondere Aufmerksamkeit und Freude an durchgedrehten Ideen vonnöten. Wer sich jedoch hierauf einlässt, bekommt – entsprechend der TV Vorlage – übernatürliche Mystery und Whodunit durchsetzt mit asiatischem, dick aufgetragenem Humor. Die Mörderhatz und die daraus entstehende Frage, wer es denn nun wirklich ist und vor allem wie er das Ganze anstellt – oder ob es sich tatsächlich um übersinnliche Momente handelt – kann auf jeden Fall unterhalten. Nach der Auflösung zum Ende des zweiten Drittels driftet die Handlung allerdings ins komplett abgedrehte ab und schließt damit den Kreis zum ebensolchen Anfang. Hier dreht es sich sicherlich vor allem um die, teils verschlüsselten, Abschlüsse der Serien Handlungsstränge. Nach und nach findet man dann auch den Zugang zur speziellen Art von Humor und ausgeflippten Dialogen und Personen – wie etwa das Thema der in Japan fast schon zum Alltag gehörenden Vorliebe für sehr junge Mädchen und auch Frauenslips. Gerade der Slapstick dürfte nicht jedermanns Ding sein, aber die abgefahrenen Kameraeinstellungen und entsprechender Schnitt sowie Persiflagen von westlichen Filmen wie Titanic dürften eher jedermanns Geschmack treffen. Schauspielerisch ist es nicht immer leicht zu beurteilen, ob die Mimen besonders überzeugende oder überzogene Darstellungen abliefern, aber zumindest die beiden Hauptdarsteller bekommen genug Gelegenheit ihr Können zu beweisen. Miki Nakatani (Memories of Matsuko), die hierzulande vor allem durch Ring, Ring: The Spiral und Ring 2 bekannt geworden ist, hat zwar mit der ziemlich überdrehten frischgebackenen Chefin einen undankbaren Job erwischt, kann ihr jedoch im Laufe der Handlung einige interessante Züge verleihen. Entsprechend den überzogenen Figuren und der ebensolchen Geschichte sind auch die Bilder deutlich „anders“ eingefangen – mal im Stakkato, mal in halsbrecherischen Kamerawinkeln. Um diesen verqueren Eindruck noch zu verstärken dient zur musikalischen Untermalung ein durchgeknalltes Trip Hop Stück, welches sich nach dem enervierenden ersten Eindruck in die Gehörwindungen frisst.

Ausstattung:
Entgegen der sonstigen Veröffentlichungen von Anolis Entertainment wird der Zuschauer hier ein wenig enttäuscht, denn allem voran bietet die DVD keinen anamorphen Transfer – auch die Untertitel sind unterhalb des Bildes untergebracht, weshalb ein Umstellen auf 16:9 keinen Sinn macht. Ansonsten ist das Bild recht gut ausgefallen – bis auf den schwachen Kontrast und den mit ihm einhergehenden weichen Bild. Die Farben dürften durch Effekte reduziert worden sein um den ganz eigenen Stil des Films zu unterstützen.
Akustisch wird ebenfalls nicht ganz das Optimum geboten, da zwar die deutsche Tonspur im 5.1 Format vorliegt, aber kaum direktionale Effekte bietet. Die Dialogverständlichkeit ist gut und der Subwoofer wird dann und wann auch angesprochen, aber mehr aus dem Grund weil der Pegel angezogen wurde. Die japanische 2.0 Spur ist zwar dezenter aber auch ein wenig lebendiger, weshalb sie sich für Puristen sicherlich lohnt.
Das Zusatzmaterial wird mit einem Trailer eingeleitet, der selbst für MTV Geschädigte zu heftig geschnitten sein dürfte – der „Trailer Export“ ist da schon trotz seiner Schrägheit besser konsumierbar. Wer einen Artikel zum Hintergrund des Films und der Serie erwartet wird leider enttäuscht, obwohl dies sicherlich sehr lohnenswert gewesen wäre. Aber eine Entschädigung ist das Making Of, welches ausnahmsweise mal vor dem Film genossen werden sollte, weil hier einiges wichtiges Vorwissen geliefert wird, mit dem sich der Film auch besser verstehen lässt. Bei einem fast einstündigen Interview im Originalton mit Untertiteln unterhalten sich der Regisseur und Cutter über die einzelnen Szenen des Films, während sie ihn zusammen am Schnitttisch sehen – das gestaltet sich von skurril bis unterhaltsam und informativ. Abschließend ist noch eine Bildergalerie enthalten.

Fazit:
Sehr abgefahrener Japaner, der ohne Kenntnis seines TV Vorläufers leider nur schwer zu verstehen ist – nicht optimale DVD Umsetzung !!!

© Heiko Henning
29.7.2008


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.anolis-film.de/tab_dvd.php?ID=21 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 03.07.2017, 12:13 Uhr
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