Inner Senses

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Originaltitel: Yee do hung gaan Alternativtitel: Inner Senses; Yi du kong jian; Im Schattenreich der Geister
Darsteller: Leslie Cheung (Jim Law), Kar Yan Lam als Karena Lam (Cheung Yan), Maggie Poon (Cheung, Siu Yu), Waise Lee (Wilson Chan), Valerie Chow (Mrs. Chan), Norman Chu als Tsui Siu Keung (Mr. Chu), Samuel Lam (Professor Fong), Olivia Wong (Jims Assistent), Tin Leung (Hospital Direktor), Li Wen Sun (Yans Vater), Hong Dou Liu (Yans Mutter), Hang Shuen So (Siu Yus Mutter), Sheu Tong Wong (Siu Yus Vater), Pui Yin Lai (Mrs. Chiu), Ting Fung Lee (kleiner Chiu), Jova Yuen (Jims Freund), Tony Wong (Badezimmer Geist), Stanley Wong (Nachbar), Chris Lee Pui Shing als Lee Pui Shing (Mike), Pui San Ho (Mikes Freundin), Steve Kratz als Stefan Kratz (ausländischer Student), Hugo Chim (Jim Law als Teenager), Helda Chan (Mädchen in Schule), Wai Kwok Wat (Oberschwester), Josephine Choi (Jims Krankenschwester), Zerisawa (Pool Security), Courtney Wu (Swimming Pool Wächter)
Produktionsfirma: Filmko Pictures
Produktion: Tung-Shing Yee als Derek Yee
Regie: Chi-Leung Law als Lo Chi Leung
Drehbuch: Chi-Leung Law als Lo Chi Leung, Tung-Shing Yee als Derek Yee Vorlage: Sin Ling Yeung
Kamera: Venus Keung
Musik: Peter Kam
Schnitt: ---
Verleih: e-m-s
Visual Effects: Hajime Matsumoto
ErstauffĂĽhrung: Fantasy Filmfest: 2.8.2003 e-m-s 21.10.2004 Hongkong 2002
95:51 Minuten (+ Zusatzmaterial: Making of Featurette 10:05; Originaltrailer 1:16; Textinterview mit Regisseur LO CHI-LEUNG 8 Seiten; LESLIE CHEUNG – Biografie/Filmografie 11 Seiten), 18 Kapitel
Widescreen 1,78:1 anamorph
Deutsch Dolby Pro Logic, Kantonesisch Dolby Pro Logic, Deutsch Dolby Digital 5.1, Kantonesisch Dolby Digital 5.1; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-9 FSK 16


Inhalt:
Als Cheung Yan eine neue Wohnung findet, vergisst sie sogar mit dem Vermieter um die Miete zu feilschen, obwohl die „vier Wände“ nicht gerade im besten Zustand sind. Der Eindruck, dass die junge Frau etwas verstört, festigt sich, als ihr immer wieder Geister erscheinen und sie in den Wahnsinn zu treiben drohen. Da sich ihre Cousine Sorgen um sie macht, schickt sie Yan zu Jim Law dem angehenden Psychiater und Freund ihres Gefährten. Nach einigen Sitzungen schafft dieser es scheinbar auch, sie zu heilen, woraufhin er ihre Avancen auch nicht mehr zurückweist, sondern nach Jahren des Alleinseins wieder eine feste Beziehung eingeht. Doch die Dämonen scheinen es nun auf ihn abgesehen zu haben, und so benötigt der Seelendoktor selbst Hilfe, die er jedoch nicht annehmen will…

Meinung:
Nach der japanischen Ring Reihe und seinen Epigonen gibt es nun mit Inner Senses – im Schattenreich der Geister die entsprechende Antwort aus Hongkong, so könnte man zumindest anhand des Backcovertextes meinen. Zunächst bestätigt sich dieser Eindruck auch, wenn die weibliche Hauptdarstellerin ihrem Psychologen sagt: „Ich sehe Geister.“ erinnert dies an The Sixth Sense, oder die ersten Schockmomente, die denen aus Filmen wie The Ring ähneln. Auf den zweiten Blick fällt dann allerdings der verhältnismäßig große Aufwand ins Auge, mit welchem alles inszeniert wurde. Angefangen beim Drehbuch, welches intelligent mit den Gefühlen der Figuren, wie auch der Zuschauer spielt, und die übersinnlichen Elemente lediglich als Stilmittel benutzt, um die emotionale Entladungen zu provozieren, greift alles passend ineinander. Das Setdesign zaubert eine entsprechende, meist schummrigere Stimmung herbei, in welcher die durchweg glaubhaft agierenden Schauspieler es sicherlich leicht hatten, die Beklemmung auszudrücken. Eingefangen wird das alles mit hochwertiger Kameraarbeit, die auf das heute übliche Wackeln, sowie die dazugehörigen schnellen Schnittfolgen verzichtet, und das Grauen lieber in ruhig angelegten Szenen zeigt. Die Horrorelemente wie seltsam ruckhaft bewegende, misstönende Wesen, Schatten und Schemen verfehlen dabei trotz dem zurückhaltenden Einsatz keinesfalls die Wirkung. Abgerundet wird das Gesamtbild von einem atmosphärischen Score, der die Bilder gut zu unterstützen versteht. Partiell wird der Zuschauer auch mal mit ansprechenden Effekten aus der angespannten Stimmung, wie auch aus seinem Sitz hochgejagt. Positiv fällt auch auf, dass auf eine komödiantische Komponente, die in asiatischen Filmen sehr häufig aus Massenkompatibilitätsgründen dabei ist, komplett verzichtet wird. Das die Grundzüge der Geschichte nicht neu sind, wird kaum jemanden überraschen – das Chi-Leung Law zusammen mit Tung-Shing Yee aus der Vorlage von Sin Ling Yeung doch noch trotz der Anleihen bei erfolgreichen Vorgängern eine angenehme Eigenständigkeit hervorgezaubert hat, ist umso mehr bemerkenswert. Das liegt nicht zuletzt auch an den interessanten Grundgedanken über die menschliche Psyche und deren Auswüchse, die zum Nachdenken anregen. Die Symmetrie der Erzählstruktur ist erstaunlich, da etwa nach der ersten Hälfte des Films eine Kehrtwendung gemacht wird, und sich das Geschehen wiederholt – allerdings aus einer anderen Perspektive. Dabei wird das Gleichgewicht zwischen Drama und Horror Elementen nicht nur gut gehalten, sondern dient auch noch für einige Verwirrspiele, bei denen der Zuschauer an der Nase herumgeführt wird. Es gibt hierbei indes zwei kleine Kritikpunkte am Film, denn zum einen die schnelle Heilung von einer jahrelangen Psychose, wie auch zum anderen das Herzschmerz Ende können nicht wirklich überzeugen. Der Charakterzeichnung wurde ebenfalls, nicht immer typisch für Hongkong Streifen, Beachtung geschenkt: außergewöhnlich tief werden sie zwar nicht ausgebaut, dafür wirken sie angenehm plastisch. Das wird durch Karena Lam (Heroic Duo, Truth or Dare: 6th Floor Rear Flat, July Rhapsody), welche die Figur der zerrütteten Cheung Yan äußerst einfühlsam spielt, und sich anscheinend auch erschreckend tief in der Rolle wieder fand, deutlich. Bei Leslie Cheung (The Bride with the white Hair 1 + 2, Days of being wild, A chinese Ghost Story 1 + 2) sieht es ähnlich aus – sein Schauspiel in der Rolle des zunächst scheinbar gefestigten, dann immer unsicherer werdenden Psychologen, erinnert an seine ersten großen Erfolge wie beispielsweise in den ersten beiden A better Tomorrow. Umso tragischer ist es, dass dies sein letzter Film werden sollte, und er sich auf den im Film thematisierten Sprung vom Hochhaus (in seinem Fall des 24. Stockwerk eines Hotels) selbst tötete. Grund dafür sollen abnehmender Erfolg in seiner Filmkarriere (durch sein Outing als Homosexueller hatte er eigentlich nicht an Popularität in der sonst so leicht verurteilenden Filmindustrie eingebüßt) und eine unglückliche Liebesbeziehung gewesen sein – wieder hat die Filmwelt ein wichtiges Mitglied verloren.

Ausstattung:
Das Bild entspricht wieder mal einer typischen Hongkong Produktion, und war schon auf der Universe DVD im eigenen Lande nicht wirklich berauschend. Es mangelt an Detailschärfe, was zur Folge hat, dass manch eine Feinheit in der Menge von Farbinformationen untergeht und alles etwas verwaschen wirkt. Sehr gut und natürlich ist hingegen die Farbgebung, die bei Rückblenden mit einem Farbfilter als Stilmittel verändert wird.
Sowohl die Dolby Pro Logic, als auch die 5.1 Spuren wissen durch gute Verständlichkeit zu überzeugen, wenn auch in der deutschen, gut synchronisierten 5.1 Variante, partiell in den Höhen leichte Verzerrungen zu hören sind (ganz perfekt ist die Originalspur bei der Sprachübermittlung allerdings auch nicht). Gerade die Surround Spuren haben sehr schönen Raumklang, der einen nach ruhigen Dialogpassagen gerne mal mit Effekten aus dem Sessel haut (Nachbarn!). Die Dynamik ist gut, und auch der Bass darf sich passend zu Wort melden – gerade in schaurigen Momenten, und Umgebungsgeräuschen wie dem Wetter, werden die Bilder damit räumlich kongenial unterstützt.
Das nicht überaus üppige Zusatzmaterial besteht aus einer Making of Featurette, einem Originaltrailer, einem Textinterview mit Regisseur LO CHI-LEUNG sowie eine Biografie/Filmografie zu LESLIE CHEUNG. Die Featurette ist sehr nett anzuschauen, da hier nicht nur Ausschnitte mit kurzen Erklärungen gemischt werden, sondern die Darsteller tatsächlich so tun, als wäre ihnen die Handlung tatsächlich selbst passiert. Der Originaltrailer ist genauso wenig aussagekräftig wie der Anfang des Films – dafür lesen sich sowohl das Interview mit Lo Chi Leung, wie auch die Informationen zu Leslie Cheung sehr interessant, wobei ein gefilmtes Interview natürlich schöner gewesen wäre (aber auch hier gilt: im eigenen Lande sah die DVD auch nicht besser aus).

Fazit:
Angenehm aus der Horror/Mystery Massenware heraus stechendes Kleinod – in relativ guter DVD Umsetzung !!!

© Heiko Henning
4.11.2004


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=115527 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 23.04.2017, 13:14 Uhr
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