In China essen sie Hunde

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Originaltitel: I Kina spiser de hunde Alternativtitel: In China They Eat Dogs
Darsteller: Kim Bodnia (Harald Blixen), Dejan Cukic (Arvid Blixen), Nikolaj Lie Kaas (Martin), Tomas Villum Jensen (Peter), Peter Gantzler (Franz), Trine Dyrholm (Hanne), Line Kruse (Astrid), Brian Patterson (Vuk), Søren Sætter-Lassen als Søren Sætter Lassen (Henning), Lester Wiese (Richard), Jesper Christensen (Barkeeper), Lasse Lunderskov (Jørgen), Preben Harris (Erling), Slavko Labovic (Ratko), Zarko Labovic (Onkel), Vasilije Bojicic (Onkel), Vojkan Fatic (Onkel), Nikola Labovic (Onkel), Milutin Garevic (Onkel), Anna-Britt Mathiasen als Anna Britt Mathiassen (Gunna), Martin Spang Olsen (Preben), Red Warszawa (Rockband), Niels Brinch (Interviewer), Emil Øigaard (Wache 1), Erik Holmey (Wache 2), B.S. Christiansen (Polizist 1), Jonas Schmidt (Polizist 2), Jesper Find (Astrids Nachbar), Christina Birksø (junges Mädchen in Bank), Vanja Bajicic (Onkel)
Produktionsfirma: Stehen Herdel & Co. A/S
Produktion: Steen Herdel
Regie: Lasse Spang Olsen
Drehbuch: Anders Thomas Jensen
Kamera: Morten Søborg
Musik: George Keller
Schnitt: Lasse Spang Olsen
Spezialeffekte: Hummer Høimark
Verleih: Kinowelt
Erstaufführung: Kino: TiMe 6.7.2000 Kinowelt 25.9.2001 Dänemark 1999
91:08 Minuten (+ Zusatzmaterial: Trailer 1:34; Interviews: Lasse Span Olsen 3:48, Kim Bodnia 4:00, Dejan Cukic 1:40; Behind the Scenes 2:11) 21 Kapitel
Widescreen 1,78:1 anamorph
Deutsch Dolby Pro Logic, Dänisch Dolby Digital 5.1; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-5 FSK: 18


Inhalt:
Arvid Blixen führt ein stinknormales Leben – seiner Freundin Hanne ist es sogar viel zu normal, und vor allem zu langweilig. Wenn er ihr beispielsweise sagt, sie solle kein Brot auf dem Nachttisch liegen lassen, oder sein Geld gerade mal wieder Brot für die Welt spendet, bringt sie das zur Weißglut. Als würde dieser morgendliche Streit noch nicht reichen, gibt es auch noch Ärger auf seiner Arbeit, wo er von einem prügelbereiten Mitglied einer Rockband angeschrieen wird. Währenddessen sitzt der merkwürdige Amerikaner Richard in einer Kneipe in der Nähe der Bank und erzählt dem Barkeeper, dass er Arvid treffen wird, wovon dieser allerdings noch nichts weiß, und was so alles in den letzten Tagen in dessen Leben passiert ist. Skurril wird es, als Arvid Franz, der gerade Arvids Arbeitsplatz überfallen will, durch einen beherzten Schlag mit einem Squashschläger niederstreckt, um kurz darauf seinerseits von dessen Frau Astrid wegen genau diesem Einschreiten angegriffen zu werden. Da Hanne, die ihn kurzerhand verlassen hat, dann auch noch meint, er solle gefälligst mal etwas Ungewöhnliches zu machen, kommt der Gute auf eine sehr merkwürdige Idee, in die er sofort seinen Bruder Harald Blixen, den er jahrelang nicht gesehen hat, einweiht…

Meinung:
Die Inhaltsbeschreibung klingt merkwürdig? Es wird noch viel skurriler und durchgedrehter im Laufe der Handlung! Sowohl die Story wie auch die Charaktere sind trotz der grundsätzlichen Realitätsnähe völlig abgedreht. Alles beginnt sehr harmlos mit einer nicht mehr intakten Beziehung, einem Banküberfall – der dann aber von einem sonst äußerst zurückhaltenden Angestellten vereitelt wird. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Kuriositäten und Seltsamkeiten ihren Lauf zu nehmen. Die Wertevorstellungen der Figuren nehmen langsam aber sicher außergewöhnliche Züge an, die aber immer – aus ihrer Sicht – glaubhaft begründet werden. Der ursprünglich als Stuntman (unter anderem Kommissar Beck – Verschlossen und versiegelt) arbeitende Lasse Spang Olsen (The Collector, The Good Cop, Old Men in new Car) war nach der Regiearbeit von Das Buch von David (Davids Bog 1995) so begeistert, dass er gleich wieder einen Film mit den beteiligten Anders Thomas Jensen (Brothers, Dänische Delikatessen, Old Men in new Car), Thomas Villum Jensen (Dänische Delikatessen, Old Men in new Car, Angel of the Night) und Nikolaj Lie Kaas (Brothers, Dänische Delikatessen, Old Men in new Car) machen wollte. Von Filmfirma und Förderung bekam er ein Angebot für einen Actionfilm, was ihm aber nach diesbezüglichen Jobs als Stuntman in der Rolle des Regisseurs nicht verschwebte. Nachdem er noch einige Engagements für Stunts und Special Effects, unter anderem für Projekte wie Pusher (1996) – mit Kim Bodnia (The Collector, Good Cop, Nachtwache) in der Hauptrolle – durchgezogen hatte, ergab sich jedoch eine Lösung des Problems. Der richtige Ansatz wurde erst gefunden, als die zwei Gegenüber der bereits fest eingeplanten Jensen und Kaas gefunden wurden. Die Besetzung fand zuerst statt, und dann wurden die Rollen auf den Leib der Darsteller geschrieben, was eher ungewöhnlich ist. Die Wahl fiel auf Kim Bodnia und Dejan Cukic, deren Part dann auch im Gegensatz zu dem der von Jensen und Kaas deutlich anwuchs und diese in ihrer Präsenz zurückdrängte. Das stört allerdings zu keiner Zeit, da die Rollen der beiden Köche, die für so manchen Running Gag sorgen („Woher soll’n wir das wissen – wir sind Köche…“) von Villum und Kaas mit einer berauschenden Plastizität gefüllt werden. Ungeschlagen ist und bleibt natürlich Kim Bodnia der als Harald „der nette Psychopathenbruder“ als einfach nur göttlich zu bezeichnen ist. Auf den ersten Blick scheint er ein rassistisches Arschloch zu sein, welches über Leichen geht, wenn es zu seinem Vorteil ist. Die häufigen fremdenfeindlichen Sprüche, die zumeist der ohnehin gebeutelte Vuk abbekommt, sind jedoch völlig überspitzt. Die andere Seite des rauen Kerls sieht ganz anders aus, denn auch wenn er kühl kalkuliert einen Banküberfall begeht und auch mal den einen oder anderen zusammenschlägt oder erschießt – er macht es seinem Bruder zuliebe, der sich dadurch besser fühlt. Da er diesem scheinbar seine Gefühle nicht anders zeigen kann, ist dies der einzige Weg, seine Sympathie zu zeigen: mit der Gewalt, die ihn täglich umgibt. Dejan Cukic scheint hingegen etwas schwer von Begriff und sehr zurückhaltend zu sein – er kann dadurch auch zu Anfang nicht so glänzen, wie sein Kollege. Im Verlauf der Geschichte gewinnt die Figur jedoch trotz des immer noch leicht vorhandenen Infantilismus an Plastizität und entwickelt Persönlichkeit. Wie sein Filmbruder hat auch er eine ganz eigene Vorstellung von „gut“ und „schlecht“, die darauf beruht, dass alles was von Herzen kommt, richtig ist. Und so ziehen die beiden sehr schnell eine recht breite Spur der Verwüstung hinter sich her. Die beiden Köche, gespielt von Nikolaj Lie Kaas und Tomas Villum Jensen, sind zwar diesbezüglich nicht wirklich einer Meinung mit den Brüdern, doch sie haben ihrem Chef in Punkto Durchsetzungsvermögen nichts entgegenzusetzen. Kaas und Jensen bieten gutes Kontrastprogramm zu ihren Kollegen, da sie scheinbar nur kurz in die Welt des Verbrechens einsteigen, wenn sie gezwungen werden. Ansonsten versuchen sie lediglich ihre Kochkunst unter Beweis zu stellen, und gut mit ihren Mitmenschen klarzukommen. Als Prügelknabe darf schließlich die kaum deutsch (im Original natürlich dänisch) sprechende Küchenhilfe Vuk, gespielt von Brian Patterson, herhalten, die stets für einen – häufig rabenschwarzen – Lacher der Schadenfreude gut ist. Fernab den üblich politisch korrekten amerikanischen Streifen wird hier wirklich grenzenloser Spaß geliefert – vorausgesetzt der entsprechende Humor ist beim Zuschauer vorhanden. Moralisch sind die Quintessenzen des Films sicherlich fragwürdig, doch diese sollen schließlich nicht einfach konsumiert werden, sondern dienen als Persiflage auf vorherrschende Werte innerhalb der Gesellschaft. Die Idee der skurrilen Situationen und abgefahrenen Dialoge innerhalb einer wirklichkeitsnahen Geschichte ist sicherlich nicht neu – hier allerdings auf erfrischende Weise umgesetzt. Für den außen stehenden Betrachter werden die Situationen immer eigentümlicher und dadurch auch stets überraschend und zu keiner Zeit vorhersehbar. Trotz des niedrigen Budgets wird sehr gute Kost abgeliefert – hierin könnten sich so manche US Produktionen einige Scheiben abschneiden. So wurden beispielsweise die Effekte sehr realistisch und adäquat umgesetzt, und der Zuschauer bekommt reichlich Action mit Schießereien, Verfolgungsjagden, Explosionen und allem was dazugehört. Dabei gibt es leider das eine oder andere Problem mit Timing oder der Continuity, aber das ist bei einer kleinen Produktion sicherlich verzeihlich. Positiv fällt hingegen der, leider partiell etwas zu weit in den Hintergrund tretende, Score auf, der eine teils packende musikalische Untermalung schafft. Auszeichnungen gab es für den Film reichlich: Cinénygma – Luxembourg International Film Festival 2001: Audience Award für Lasse Spang Olsen; Montréal Comedy Festival „Just for Laughs“ 2000: Jury Award Best Film für Lasse Spang Olsen; Robert Festival 2000: Robert Best Special Effects für Hummer Høimark, außerdem gab es hier zwei Nominierung: Robert Best Make-up für Charlotte Laustsen und Best Screenplay für Anders Thomas Jensen.

Ausstattung:
Die Umsetzung auf DVD ist recht ansprechend, was umso mehr wundert, als dass es sich um keine jugendfreie, und somit nicht massenkompatible, Scheibe handelt. Das Bild entbehrt zum Glück analoger Defekte und macht auch sonst einen recht adäquaten Eindruck. Es gibt zwar insgesamt Rauschen zu vermelden, aber das fällt lediglich bei ein paar hellen Außenaufnahmen negativ auf. Sowohl Schärfe als auch Kontrast und Farbgebung liefern gute Werte ab, mit denen der Zuschauer zufrieden sein kann.
Die deutsche Spur ist leider nur in Dolby Pro Logic abgemischt und bietet entsprechend weniger Dynamik und Räumlichkeit als die 5.1 Originalspur, obwohl noch recht gutes Volumen und Basseinsatz geboten wird. So kann den dänisch verstehenden – oder gerne Untertitel lesenden – Rezipienten empfohlen werden, das Original zu wählen. Die Dialoge kommen in beiden Spuren sauber aus dem Center, die Effekte bahnen sich den Weg vor allem über den Subwoofer und die Front – beim Original gibt es natürlich noch eine ansprechende Direktionalität. Der Score wird in beiden Varianten recht gut transportiert und verfehlt seine Wirkung auf keinen Fall. Es erscheint auch nicht ganz logisch, warum der Mehrkanalton nicht auch bei der deutschen Synchronisation Verwendung fand, es sei denn es musste unbedingt eine DVD-5 werden (wobei es in der Massenproduktion kaum einen Kostenunterschied zwischen dieser und einer DVD-9 gibt).
Das Zusatzmaterial wird leider ebenfalls eher sparsam eingeteilt – neben einem Trailer, der ebenso skurril ist, wie der Film, gibt es nur noch zwei Punkte. Zum einen Interviews mit Lasse Span Olsen (gibt einige nette Anekdoten und Hintergründe zum Besten), Kim Bodnia (ein Schauspieler, dem man auch mal aufs Wort glaubt, was er im Interview zum Film sagt) und Dejan Cukic (der scheinbar auch ein netter Kerl ist, aber kaum Zeit einberaumt bekommt). Behind the Scenes schließt dann auch schon das Zusatzmaterial mit einem netten, kurzen Blick ab – mehr bekommt man leider nicht geboten.

Fazit:
Kultfilm aus dänischen Landen – leider nicht wirklich auf entsprechender DVD !!!

© Heiko Henning
1.9.2005


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Letzte Aktualisierung: 10.12.2017, 02:24 Uhr
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