Election

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Originaltitel: Hak se wui Alternativtitel: Black Society
Darsteller: Simon Yam (Lam Lok), Tony Leung Ka Fai (Big D), Louis Koo (Jimmy Lee), Nick Cheung (Jet), Ka Tung Lam als Lam Ka Tung (Kun), Siu-Fai Cheung als Cheung Siu Fai (Mr. So), Suet Lam als Lam Suet (Big Head), Tian-lin Wang als Wong Tin Lam („Onkel“ Teng Wai), Ping-Man Tam als Tam Ping Man („Onkel“ Cocky), Maggie Siu als Maggie Shiu (Mrs. Big D), David Chiang (Chief Superintendent Hui), Yong You als Yao Yung (China Police Captain), Chung Wang als Chung Wong (Whistle), Siu-Pang Chan als Chan Siu Pang („Onkel“ Monk/Long Guen), Bun Yuen als Yuen Bun (Incense Master), Ronald Yan (Senior Inspector Yu), Ho-Yin Wong als Raymond Wong (Detective Wong), Robert Hung (Sam), Biu Law Che als Paul Ng (Tally), Fung Kwok (Fish Ball), Chi Wai Wong als Wong Chi Wai (Blackie), Chiu Chi Shing als Chiu Chi Shing (Big D's Bodyguard), Sze Yan Wong als Wong Sze Wan (Lok's Bodyguard), Man-wai Lam als Lam Man Wai (Sparky), Hoi Chau Ho als Ho Hoi Chau („Onkel“ Double East), Pui Chung Tong als Tong Pui Chung („Onkel“ Chiu Chow), Maggie Cheung Ho Yee als Ho Chu (Mon), Bo Yuen (Dinosaur), Jonathan Lee (Denny Lam), Hoi-Pang Lo (-Voice), Ting Yip Ng als Ng Yuk Sau (Senior Inspector Tad), Andy On
Produktionsfirma: Milkiway Image (HK) Ltd; One Hundred Years of Film Co. Ltd
Produktion: Johnny To (als Johnnie To), Dennis Law
Regie: Johnny To (als Johnnie To)
Drehbuch: Nai-Hoi Yau (als Yau Nai Hoi), Tin-Shing Yip (als Yip Tin Shing)
Musik: Tayu Lo (als Lo Tayu)
Kamera: Siu-keung Cheng (als Cheng Siu Keung)
Schnitt: Patrick Tam
Spezialeffekte: Peony Lam
Visual Effects: Stephen Ma
Verleih: e-m-s
ErstauffĂĽhrung: Frankreich (Cannes Film Festival) 14.5.2005, Hongkong 20.10.2005, China 20.10.2005 e-m-s media AG 5.7.2007 Hongkong 2005
95:45 Minuten (+ Zusatzmaterial: Deutscher Trailer 0:53; Originaltrailer 1 0:53; Originaltrailer 2 1:35; TV-Spot 1 0:18; TV-Spot 2 0:19; Making of 7:17; Bio & Filmografien: Regisseur Johnnie To 4 Seiten, Simon Yam 8 Seiten, Tony Leung Ka Fai 7 Seiten) 16 Kapitel
Widescreen 2,35:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 5.1, Chinesisch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS; Untertitel: deutsch, deutsch Liedtext
Ländercode: 2 DVD-9 (6,94 GB) FSK: keine Jugendfreigabe


Inhalt:
Bereits im Vorfeld der Wahl zum neuen Anführer der ältesten Triade in Hongkong, Wo Shing, versuchen beide Anwärter die entscheidenden Alten für sich zu gewinnen. Der Hitzkopf Big D verleitet mit Bestechung und Drohungen, der ruhige Lam Lok eher durch Einsatz für die Triade und ihre Mitglieder. Als die Wahl auf Lok fällt, dreht Big D durch, entführt und foltert die aus seiner Sicht Schuldigen, um Druck auf die Alten auszuüben, damit er doch noch an die Macht kommt. Da auch die Polizei von der sich anbahnenden Auseinandersetzung Wind bekommt, werden kurzerhand alle Triaden Oberhäupter samt Lok und Big D eingesperrt, damit ein Gleichgewicht geschaffen wird. Währenddessen jagen alle Untergebenen der verschiedenen Bezirke hinter dem Zepter her, durch welches sich der Anführer der Triaden als solcher „ausweisen“ kann – doch auf einmal sind alle bis auf die Belegschaft von Big D einer Meinung. Dieser hat nämlich durch die Drohung eine eigene Triade zu gründen plötzlich alle gegen sich und der Kampf entbrennt, auch wenn nicht immer zu erkennen ist, wer gegen wen kämpft…

Meinung:
Die Triaden wurden vor etlichen Hundert Jahren ursprünglich gegründet, um gegen das Ching Regime und für die einfachen Menschen zu kämpfen. Im Laufe der Zeit verkam dieser edle Gedanken immer mehr zu einem reinen Streben nach Geld und vor allem Macht. Heutzutage sind die Triaden ein Teil von Hongkong, ohne den nichts mehr gehen würde, da sie mit ihren insgesamt mehreren hunderttausend Mitgliedern einen nicht unerheblichen Teil der Wirtschaft ausmachen. Diese Gedanken und Tatsachen haben offensichtlich Johnny To dazu bewogen, einen etwas anderen Triadenfilm zu drehen, der eher ruhige und fast schon besinnliche Töne anschlägt. Das ist für den Zuschauer verwirrend, der einen weiteren Vertreter der actionbetonten und mit Shoot Outs um sich werfenden Filme erwartet, der in der Unterwelt einen idealen Hintergrund findet. Wie so häufig ist die Erwartungshaltung der Tod der Unterhaltung, doch leider wird diese zudem noch vom Zitat auf dem Cover bestärkt: „Der beste Film des Jahres“ Quentin Tarantino. Die Schlussfolgerung Tarantino = Kill Bill Action geht in diesem Moment nach hinten los und verstärkt das was der Zuschauer von Johnny To erwartet. Wenn man jedoch ähnlich unvorbelastet, wie wahrscheinlich der amerikanische Mastermind selbst, an das Werk herangeht, so offenbart sich ein ganz anderes Bild – sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Bildkomposition ist faszinierend und fesselnd, wenn sich der Zuschauer darauf einlässt – das Gesehene ist eine Offenbarung in stillen und rhythmischen Bildern. Diese geradezu unverschämt plastische Optik wird diesmal nicht darauf verwandt, Verbrecher mittels Übermaß an Coolness und Machismo zu heroisieren, sondern darf sich als Stilmittel selbst feiern. Die genial geführte Kamera fängt die Figuren teilweise nur im Halbschatten und am Bildrand ein, was sie zu Nebenfiguren degradiert, die sich dem Gesamtwerk unterordnen müssen. Untermalt wird das Gesehene von einem Ausnahmescore, der mit ebenfalls durch Schlichtheit und Genialität brilliert – gezupfte Gitarrenklänge die auch für sich genommen zu begeistern wissen. Lässt man sich von dieser Inszenierung tragen, stören auch der einfache und gradlinige Plot sowie die für Action sorgenden Hetzjagd nach einem MacGuffin (ein von Alfred Hitchcock geprägter Begriff, der einen mehr oder minder beliebigen Gegenstand beschreibt, der lediglich dazu dient, die Handlung voranzutreiben) nicht wirklich. Die Tatsache, dass selbst die Handlanger der Alten teilweise nicht wissen, für welche Seite sie nun gerade handeln erscheint zunächst auch wie eine Schwäche des Drehbuchs, doch auf den zweiten Blick zeigt sich hierbei die Wankelmütigkeit der Triaden. Wie auch bei den Vergleichen zwischen achtbaren Ursprüngen und den lediglich auf Maximierung von Macht und Geld fixierten jetzigen geschäftigen Zügen zeigt To die gnadenlose Realität. Selbst der äußerst soziale und ausgeglichene Lam Lok macht immer wieder deutlich klar, dass auch er das gleiche Ziel hat – nur eben auf andere Weise angesteuert. Dies ist auch der Grund warum der sonst als Identifikationsfigur prädestinierte sich nicht für diesen Posten eignet. Die von Lok ausgeführte Gewalt schockiert angesichts der Ruhe und der kaltblütigen Planung umso mehr und nachhaltiger. Auch die sonstigen eingestreuten Gewaltszenen wirken durch den ruhigen Erzählstil und den Fluss der Bilder besonders intensiv und unmissverständlich, wobei sogar die partiell eingefügten skurrilen Elemente nicht an der Ernsthaftigkeit kratzen. Die Figuren sind wie auf dem Reißbrett gezeichnet, was der guten Darstellerriege allerdings nicht viel Spielraum für Interpretation oder gar Improvisation bietet – Freunde von Simon Yam und Tony Leung Ka Fai können sich also nicht auf besonders eigenständiges Spiel freuen. Apropos Eigenständigkeit: diese besitzt der Film durchaus, auch wenn er als quasi Einleitung für Election 2 gilt, und sich für einen Teil von dessen Erfolg verantwortlich zeichnet, zumal einige hier vorbereitete Feinheiten in der Fortsetzung zünden. Auch mit dieser Fortsetzung festigt Johnny To wieder einmal seinen Ruf als sehr produktives Mitglied der Filmindustrie von Hongkong, der mit der von ihm gegründeten Produktionsgesellschaft Milkiway Image immer wieder für frischen Wind auf dem Markt sorgt. Selbst als in den Jahren vor der Rückgabe an China die Kriese über den Hongkong Film kam, bliebt er und sorgte immer wieder für Werke, die auch im Ausland sehr erfolgreich waren. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wanderte er nicht nach Hollywood aus, sondern hielt die Stellung, was sich sowohl für ihn als auch Hongkong mehr als ausgezahlt hat. Dafür bekam To unter anderem die Ehre mit einem Genrefilm in den Wettbewerb des Filmfests in Cannes aufgenommen zu werden. Außerdem hagelte es Nominierungen und Preise: Cannes Film Festival 2005 – für die golden Palme nominiert (Johnny To); Golden Horse Film Festival 2005 – Golden Horse Award (bestes Drehbuch – Original: Nai-Hoi Yau, Tin-Shing Yip; beste Sound Effects: May Mok, Charlie Lo; Nominiert: beste Action Choreography: Chi Wai Wong; bester Darsteller: Tony Leung Ka Fai; beste Kamera: Siu-keung Cheng; beste Regie: Johnny To; bestes Make Up & Costume Design: Stanley Cheung; bester Original Film Score: Tayu Lo; bester Film; bester Nebendarsteller: Tian-lin Wang); Hong Kong Film Awards 2006 – Hong Kong Film Award (bester Darsteller: Tony Leung Ka Fai; bester Regisseur: Johnny To; bester Film; bestes Drehbuch: Nai-Hoi Yau, Tin-Shing Yip; Nominiert: bester Darsteller: Simon Yam; beste Kamera: Siu-keung Cheng; bester Schnitt: Patrick Tam; bester Original Film Score: Tayu Lo; bester Nebendarsteller: Tian-lin Wang; beste Nebendarstellerin: Maggie Siu); Hong Kong Film Critics Society Awards 2006 – HKFCS Award (beste Regie: Johnny To; bester Film); Sitges – Catalonian International Film Festival 2005 – (beste Regie: Johnny To).

Ausstattung:
Das Bild von Election sieht für einen Hongkong Film sehr solide aus und bietet kräftige Farben und recht guten Kontrast. Die Schärfe bleibt auf verhältnismäßig gutem Niveau und nur die Details wirken teils verwaschen, was aber für einen asiatischen Film in Ordnung geht. Rauschen gibt es sporadisch zu sehen – analoge Defekte sind nicht aufgefallen und die Kompression ruft sich nicht negativ ins Gedächtnis.
Die Dialogverständlichkeit ist in allen drei Spuren gut bis sehr gut ausgefallen, und auch sonst gibt es insgesamt wenig Unterschiede, bis auf den natürlicher klingenden Originalton. Auch bedingt durch die ruhige Inszenierung gibt es kaum Gelegenheit Räumlichkeit zu präsentieren – doch auch in diesen wenigen Momenten gibt es keine wirkliche Direktionalität. Sprache und Effekte klingen fast nur aus dem Center und nur der sehr gute Score ist konsequent auf alle Kanäle abgemischt.
Was sehr wundert ist die Tatsache, dass Election hierzulande keinen Kinostart bekam und nun von e-m-s „direct-to-video“ auf DVD veröffentlicht wird. Mit dem Zitat von Quentin Tarantino und dem Namen Johnny To hätte man sicherlich mehr als die üblichen Asien Fans in die Lichtspielhäuser bekommen. Dafür müssen sich die Fans jetzt mit einer regulären DVD Veröffentlichung zufrieden geben, die aber immerhin in einem edlen Stahlschuber mit alternativem Cover steckt. Das Zusatzmaterial geht für eine normale Edition mehr als in Ordnung: Deutscher Trailer, Originaltrailer 1 und 2 sowie TV-Spot 1 und 2 stimmen schon mal auf den Film ein, wenn sie auch nicht wirklich informativ ausfallen. In einem kurzen Making of lassen sich die Beteiligten über den Hintergrund des Films aus – also eher ein Infoclip als wirklich Behind the Scenes Material. Abschließend gibt es noch Texttafeln zu den Bio & Filmografien zu Regisseur Johnnie To sowie Simon Yam und Tony Leung Ka Fai.

Fazit:
Unerwartet ruhiger Vertreter, der unvoreingenommenen Rezipienten allerdings die Augen für Neues öffnet !!!

© Heiko Henning
8.8.2007


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=116242 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 23.04.2017, 13:14 Uhr
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