2009 – Lost Memories

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Originaltitel: 2009 Lost Memories
Darsteller: Jang Dong-Gun (Masayuki Sakamoto), Kil-Kang Ahn (Myung-Hak Lee), Masaaki Daimon, Shohei Imamura, Ken Mitsuishi (Hideyo), TĂ´ru Nakamura (Shojiro Saiko), Jin-ho Seo (Hye-Rin Oh), Goo Shin (Takahashi), Min-sun Kim (Kindergarten Lehrer), Nobuyuki Katsube
Produktionsfirma: Indecom Cinema, Tube Entertainment, CJ Entertainment
Produktion: Stanley Kim
Regie: Si-myung Lee
Drehbuch: Sang-hak Lee, Si-myung Lee
Kamera: Hyun-chul Pak
Musik: Dong-jun Lee
Verleih: e-m-s
ErstauffĂĽhrung: Fantasy Filmfest 2002 e-m-s/Cine Magic Asia 2.10.2003 SĂĽdkorea 2002
136:23 Minuten (+ Zusatzmaterial: DVD 2: Produktion (60:31): Drehorte 7:49, Studio 8:23, Waffen 4:23, Training 8:57, S.F.X. 9:51, Stunts 10:28, Sakamoto 10:38; Making Of 108:05; Highlights (11:34): Clip 1 1:56, Clip 2 1:10, Clip 3 0:51, Clip 4 2:38, Clip 5 1:18, Clip 6 1:42, Clip 7 1:56; Cast & Crew: Jang Dong Gun 1 Seite Biografie/1 Seite Filmografie; Still Galery 2:59; Kinotrailer 2:56; Musik Video 3:20) 24 Kapitel
Widescreen 1.85:1 anamorph
Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 5.1, Koreanisch Dolby Digital 5.1; Untertitel: deutsch
Ländercode: 2 DVD-9/9 FSK: Keine Jugendfreigabe


Inhalt:
Am 26.10.1909 wird in China von An Chung-Gun ein Attentat auf den koreanischen Staatsmann Ito Hirobumi verübt, wobei eine geheimnisvollen Wache den Anschlag gerade noch rechtzeitig verhindern kann. Diese Vereitlung der Tat hat schwere Folgen: Japan kämpft im zweiten Weltkrieg auf der Seite der Amerikaner und die Atombombe landet auf Berlin. Die daraus resultierende Macht des Landes wird unter anderem dazu genutzt, ganz Korea zu annektieren und alle Koreaner zu unterjochen. Im Jahre 2009 findet in Seoul ein Festbankett mit Ausstellung einer Sammlung von Kunstschätzen der japanischen Inoue Stiftung statt, welches von koreanischen Freiheitskämpfern, so genannten Hureisenjin überfallen wird. Durch das schnelle und vor allem harte Eingreifen der JBI (Japanese Bureau of Investigation) Kräfte werden alle Terroristen getötet, wobei es kaum zivile Verluste zu beklagen gibt. Kurz vor dem Tod des Anführers erkennt dieser unter den beiden Einsatzleitern in Masayuki Sakamoto einen Landsmann, dem er auch noch kurz ins Gewissen redet. Auf diese Weise an seine Herkunft als Koreaner und seinen Vater Macao, der seinerzeit als Agent den koreanischen Feinden geholfen hat, erinnert, versucht Sakamoto umso mehr, die Rebellen zu bekämpfen, und sein Gefühl von Gerechtigkeit umzusetzen. Doch langsam kommt er darauf, dass anscheinend alles etwas mit der Inoue Stiftung zu tun hat, welche er gegen den ausdrücklichen Befehl seines Vorgesetzten aufsucht. Daraufhin wird er suspendiert, und selbst sein langjähriger Freund Shojiro Saiko beginnt sich gegen ihn zu stellen. Als auch noch ein Maskierter Bruder seines Vaters statt seiner tötet, und Sakamoto dafür angeklagt wird, erkennt er langsam, welche Ausmaße die Verschwörung ist, welche er langsam aufdeckt. Mit Mühe und Not kann er schwer verletzt aus dem Gewahrsam fliehen und läuft zu den Rebellen über, die ihn darüber aufklären, wofür sein Vater wirklich gekämpft hat...

Meinung:
Wie faszinierend die Frage „Was wäre wenn...“ ist, beschäftigt offensichtlich nicht nur die Deutschen im Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit, wie 2009 – Lost Memories eindrucksvoll zeigt. Das es sich um einen alternativen Verlauf der Zeit handelt, wird nicht jedem der westliche Zuschauer auf Anhieb auffallen, wenn er den Vorspann nicht äußerst genau verfolgt, oder in der asiatischen Geschichte gut bewandert ist. Das in unserer Realität stattgefundene, hier jedoch auch vollzogene, Attentat erscheint auch zunächst nicht wirklich wichtig, da bei der Zukunftsgeschichte, in welcher der übliche Kampf zwischen Rebellen und der Staatsmacht stattfindet, zunächst nicht mehr darauf eingegangen wird. Erst zum Ende hin wird es wieder essentiell wichtig, da hier letztendlich die gesamten Fäden zusammenlaufen. Bis zu diesem Punkt ist es dann aber ein langer, fast zweistündiger Weg, welcher mit einem bombastischen und auch relativ blutigen Shoot Out eingeleitet wird. Nach der Vorstellung der Fronten wird langsam klar, dass die Seite des Gesetztes mal wieder nicht die unbedingt die gute ist. Langsam, ganz langsam, zeigt sich dann auch, warum und weshalb – während die Charaktere aufgebaut werden. Stellvertretend für jedes der beiden Völker stehen sich Jang Dong-Gun auf der Seite der Koreaner und Tôru Nakamura für die Japaner gegenüber. Arbeiten zunächst Seite an Seite, bis der Agent mit koreanischer Abstammung langsam erkennt, dass sein Vater keinesfalls ein Verräter am japanischen System war, sondern eher erkannt hat, wie die Sachverhalte wirklich gelagert sind. Der wahre Umbruch findet allerdings nicht statt, als er langsam beginnt, die richtigen Fragen zu stellen, sondern in dem Moment, in welchem ihn das System, für welches er sein ganzes Leben kompromisslos eingetreten ist, ihn gnadenlos verrät. Selbst sein Freund wendet sich langsam von ihm ab, wobei auch dieser erst den letzten und entscheidenden Schritt macht, als er erfährt, was mit seiner Familie, seinem ein und alles, passiert, wenn die Rebellen Oberhand gewinnen. Führt man sich diese Tatsache vor Augen, wird auch der vielerorts so verurteilte extreme Patriotismus mit klarer Ausländerfeindlichkeit den Japanern gegenüber etwas relativiert. Sicherlich muss sich der Film gefallen lassen, mit Independance Day von Roland Emmerich (dem amerikanischsten Deutschen ever) oder Armageddon von Michael Bay verglichen zu werden, die beide ebenfalls vor Patriotismus nur so triefen. Doch beispielsweise von so einer krassen schwarz/weiß Malerei wie beispielsweise in Starship Troopers ist man weit entfernt. Was ganz klar angegriffen wird, ist die japanische Regierung, nicht die Japaner an sich, wie man am Beispiel von Tôru Nakamura, der deren Schuld zugunsten seiner Familie verteidigt. Jeder der beiden Streiter versucht nur, die ihm wichtigen Personen zu beschützen, was keinesfalls verwerflich ist – der verurteilenswerten Schritt wurde bereits von ganz anderen begangen. Wer allerdings meinte, bei asiatischen Filmen von dieser Art von heroischem und vaterlandsliebendem Schmalz verschont zu werden, wird natürlich gnadenlos enttäuscht. Auch solche Feinheiten wie beispielsweise das JBI (Japanese Bureau of Investigation), der japanischen Staatsexekutive, deutet ganz klar auf das amerikanische Vorbild – in diesem Falle das FBI – hin. Doch zum Glück gibt es auch die aus asiatischem Kino bekannten Versatzstücke wie Heroic Bloodshed und virtuose Shoot Outs, die den Fan wieder etwas zu beschwichtigen verstehen. Bei den Koreanern selbst trifft der Film sicherlich hingegen genau den momentan akuten Nerv, der nach Wiedervereinigung geradezu schreit, und beispielsweise mit dem ebenfalls auf diesem Terrain agierenden Shiri vorbereitet wurde, in dem es um die gewünschte Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea geht. Ob die Japaner selbst mit dem zur Schau gestellten Patriotismus allerdings etwas anfangen können, ist sehr zweifelhaft. Auf der anderen Seite bekommt der Zuschauer auch einige stilistisch fast ins Poetische schlagende Bilder vorgesetzt, in denen die beiden Hauptcharaktere plastischer herausgearbeitet werden. Vor allem der äußerlich an Chow Yun Fat erinnernde Jang Don-Gun liefert in der Rolle des zwischen Ehre und Herkunft hin und her gerissenen Agenten eine sehr gute Leistung ab. Seine Darstellung verleiht der Figur Plastizität und Tiefe, die für starke Identifikationsmöglichkeiten sorgt. Das charismatische Spiel wird diesbezüglich allerdings hauptsächlich im eigenen Land auf fruchtbaren Boden treffen, da die Zusammenhänge nicht eins zu eins auf hiesige Verhältnisse übertragbar sind. Tôru Nakamura hat mit der Rolle seines Gegenspielers zwar eher ein schlechtes Los gezogen, doch auch ihm wird eine passende Charakterisierung zuteil. Die harten Brüche, die sich in der Figur abspielen, werden adäquat von ihm realisiert und lassen auch auf dieser Seite Verständnis und teils auch Sympathien entstehen. Gegenüber diesen beiden Stars kommen die restlichen, meist weiblichen, Schauspieler nur relativ schwach weg, zumal sie – bis auf Nakamuras Filmpartnerin – durch das Drehbuch kaum an Tiefe gewinnen können. Doch auch für sich gesehen, können die anscheinend als Idols (nur wegen ihres schönen Aussehens gecastet) ausgewählten Mitarbeiter nicht wirklich überzeugen. Einen mindestens ebenso hohen Stellenwert haben sicherlich die Spezialeffekte, die vor allem bei den Schießereien epischen Ausmaßes zum Tragen kommen. Mit etlichen Zeitlupefahrten verfeinert kommt der Actionfreund bei den meist recht blutig ausgefallenen Shoot Outs und entsprechenden Stunts mehr als auf seine Kosten. Alles ist erstklassig choreographiert und selbst Skeptiker können dem eleganten Töten eine gewisse faszinierende Ästhetik nicht absprechen. Die abwechslungsreiche und scheinbar unerschöpfliche Menge an verschiedenen Waffen sorgt für einen Schwindelerregenden Body Count, wie man es aus Eastern nun mal so kennt. So ist der Film dann auch sicherlich nichts für Zuschauer, denen die ruhigen, besinnlichen Momente bis hin zu den melancholischen Szenen zusagen würden. Genau hier liegt auch ein Problem mit dem 2009 zu kämpfen hat, denn bei einem Großteil der Rezipienten fällt er wegen den ruhigen, fast schon langatmigen Momenten durch, und andere können mit dem ständigen Geballer nichts anfangen. Wer allerdings auf Actionware steht, und auch kein Problem damit hat, sich auf das Geschehen emotional einzulassen, wird sehr gut unterhalten. Die Länge von über zwei Stunden füllt der Film recht gut aus, doch leider ist die Geschichte hierfür ein wenig zu straigt angelegt, und ein paar Überraschungen oder Wendungen hätten sicher nicht geschadet. Dafür wird den Auge ständig ein opulentes Set Design geboten, bei dem es schon teilweise nicht mehr weiß, worauf es nun achten soll. Die Kamera fängt wunderschöne Bilder ein, die bei Rückblicken in entspannendes schwarz/weiß zurückschalten. Leider sind die Schnittübergänge für den europäischen Zuschauer etwas zu plump und abrupt, was an wenigen Stellen negativ auffällt. Wenn man also einmal vom Hype, der um den Film gemacht wurde, absieht, bekommt man mit 2009 – Lost Memories sehr gute Unterhaltung geboten, die nicht umsonst einer der Höhepunkte des Fantasy Filmfests 2002 darstellte.

Ausstattung:
Bei der Bildqualität hätte sich e-m-s lieber noch etwas Gedanken machen sollen, denn an die von der koreanischen DVD aus dem Hause EnterOne kommt man nur selten heran. Das Ergebnis der Wandlung des verwendeten NTSC Masters ist vor allem bei der Schärfe und dem Kontrast wenig überzeugend. Teilweise verschwinden Feinheiten des Bildes oder der Schwarzwert wandelt sich durch übersteuerte Helligkeit in ein Grau. Beim Ton sieht es ähnlich aus, denn es gibt weder eine koreanische (auf der koreanischen Disc enthalten), noch eine deutsche DTS Spur. Beim Weglassen der deutschen 2.0 Spur und Beiwerk wie Trailern für andere Film hätte sicherlich zumindest noch eine deutsche DTS Spur mit auf die Scheibe gepasst, zumal ohnehin noch etwas Platz (etwa anderthalb Gigabyte) gewesen wäre. Auf den originalen Audiokommentar kann man hingegen sicherlich verzichten, da er selbst bei der Original DVD nicht englisch Untertitelt wurde. Die deutsche Synchronisation ist sehr gelungen, doch die Soundkulisse bietet leider vor allem bei den Soundeffekten von Schießereien wenig Eindrucksvolles, wenn auch ansonsten guter räumlicher Klang geboten wird. Hier ist die koreanische Spur deutlich im Vorteil, da sie deutlich mehr Wucht vorweisen kann, wenn auch nicht ganz so viel, wie manch ein Actionbegeisterter sicherlich gerne hätte. Was die Specials angeht, so gibt es auf der zweiten DVD der Special Limited Edition von e-m-s eine fast genauso volle zweite DVD randvoll mit Material. Hinter dem Punkt „Produktion“ verbirgt sich die „Production Info“ der koreanischen Disc, die in sieben Bereiche aufgeteilt ist, die zwar einzeln anwählbar sind, die aber dann nicht separat abgespielt werden – alles Nachfolgende wird ebenfalls gezeigt. „Drehorte“ ist ganz nett anzuschauen, und es gibt Vergleiche zu der fertigen Filmfassung, in welcher der entsprechende Ort verwendet wurde. „Studio“ zeigt den Aufbau vom riesigen Set, welches teils das Ambiente von Hollywood Streifen bei weitem übertrifft. „Waffen“ sind nicht nur im Film ein zentrales Thema, was nett anzusehen ist, weil auch das zu sehen ist, was meist nicht bewusst wird – wie die Darsteller lernen mit Waffen umzugehen. „Training“ geht dabei noch einen Schritt weiter und offenbart die choreographischen Studien, die betrieben werden, um beispielsweise die Shoot Outs glaubhaft zu gestalten. „S.F.X.“ nimmt dann wieder alle möglichen Illusionen, was die Effekte angeht, und anhand der Modelle wird bestimmt die eine oder andere Illusion im Film zerstört. „Stunts“ lässt erkennen, wie gut alles geplant wird, damit niemand verletzt wird. „Sakamoto“ widmet sich ganz dem Hauptdarsteller, und wie er unter anderem mal verletzt und ins Krankenhaus gebracht wird. Leider ebenso wenig mit Untertiteln versehen ist das fast zweistündige „Making Of“ (auch auf der koreanischen DVD als „The Inside of 2009 Lost Memories“) enthält etliche Szenen, die auch in „Produktion“ in gekürzter Form enthalten waren, teils sogar aus verschiedenen Blickwinkeln. Die in sieben Clips aufgeteilten Highlights wirken überflüssig, da sie weder neue noch die allerbesten Szenen aus dem Film herausgreifen, was für sich gesehen, nebenbei auch gar keinen Sinn macht. Die Cast & Crew enttäuscht eher, weil lediglich über Jang Dong Gun ein paar nicht so gut geschriebene Worte offeriert werden. Still Galery, Kinotrailer und das Musik Video mit einigen Ausschnitten aus dem Film runden den Eindruck ab – der umso positiver wäre, wenn deutsche Untertitel bei dem Inhalt der DVD verfügbar gewesen wäre, wodurch der hiesige Zuschauer auch etwas von dem Gesagten verstanden hätte. Doch selbst auf der EnterOne Disc sind ja keine englischen Untertitel vorhanden – dafür aber TV Spot, Interviews, Documentary und Movie Sound Info. Von dieser auswärtigen Scheibe gibt es übrigens auch eine Limited Edition, die in einem großen Pappkarton, neben den beiden DVDs auch noch ein über dreihundert Seiten Starkes Buch mit Hintergrundinformationen, sowie ein Filmschnipsel enthält.

Fazit:
Bombastischer Actionreißer mit Pathos und interessanten Figuren – leider nicht so gut umgesetzt, wie es bei der koreanischen DVD !!!

© Heiko Henning
11.1.2004


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.e-m-s.de/dvd.php?name=115301 (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 03.07.2017, 12:13 Uhr
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