Jens Lossau/Jens Schumacher
Der Schädeltypograph

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Der Gutenberg Krimi
Societäts-Verlag
http://www.societaets-verlag.de
Hardcover 2002
ISBN 3-7973-0801-9
252 Seiten 1790


Inhalt:
Als in der Nacht vom 4. auf den 5.11.2000 ein Unbekannter unlängst gefundene Drucktypen stahl, konnte noch niemand die tiefen Abgründe erahnen, die sich dadurch öffnen würden. Für Historiker waren die frühen Schreibwerkzeuge, die anscheinend von Johannes Gutenberg persönlich genutzt wurden, von schier unschätzbarem Wert, doch nicht nur ihr Verlust, sondern auch der des ermordeten Wachmanns, dem der Kopf in einer Druckerpresse zerquetscht wurde, ist zu beklagen. Vom Pfade des üblichen Verbrechens wird das Geschehen gezogen, als in der nächsten Nacht die in Trauer leicht verwirrte Ursula Luftschmied bei einem Besuch des Grabes ihres Mannes auf dem Friedhofgelände etliche ausgegrabene Leichen – von denen eine enthauptet wurde – findet. Der darauf folgende dritte Fall raubt dem ermittelnden Kriminalrat Christian Ewers dann schlussendlich den letzten Nerv: ein dreiundzwanzigjähriger Student wird am öffentlich gelegenen Fastnachtsbrunnen gefunden, und unglücklicherweise ist wieder etwas mit dem Schädel – es wurden mit Drucktypen Worte in lateinischer Sprache hineingeschlagen. Nun hat endgültig die Stunde von Frank Passfeller und Tillmann Grosch geschlagen, die zwei Sonderkommissare arbeiten für das geheime SK 66 des LKA, welches sich um Kriminalfälle mit okkultem oder satanischem Hintergrund kümmert. Obwohl der hiesige Kommissar Ewers wenig bis gar nicht davon begeistert ist, muss er mit ansehen, wie sich die beiden – von Anfang an verhassten – Kollegen des Falles annehmen, während er von Vorgesetzten zur Zusammenarbeit gezwungen wird. Doch ihr Erfolg gibt ihnen recht, wenn er auch für einige der folgenden Opfer zu spät kommt, und so finden die beiden – jeder auf seine Art schrulligen – Sonderkommissare langsam Spuren, und alle führen auf die eine oder andere Weise zur Johannes-Gutenberg-Universität" in Mainz…

Meinung:
Waren das noch Zeiten, als das Autorengespann Jens Lossau/Jens Schumacher nur in Fankreisen bekannt war, und ihre Texte lediglich über kleine und Kleinstverlage veröffentlichen konnte. 1996 erschien im Rainar Nitzsche Verlag der Kanon der Melancholie, bei dem vor allem auffiel, dass die Geschichten stark angloamerikanisch angehaucht waren. Einem breiteren Publikum wurde, nicht zuletzt durch die positiven Kritiken, das Buch Entitäten zugängig, welches 1997 im damaligen Dreiecks Verlag veröffentlicht wurde und auch heute noch guten Absatz findet (nach immerhin fast acht Jahren). Es folgten Einzelveröffentlichungen wie Jens Schumachers Das Lied vom Untod im Ventil Verlag – eine Detektivgeschichte, die ein paar Parallelen zu den Dirk Gently Geschichten von Douglas Adams aufwies. So sollte es dann auch dieser Teil des Zweiergespanns sein, der seine Berufung zum Beruf machte, und fortan seine Brötchen mit dem Schreiben, von unter anderem Kinderbüchern, verdient. Gerade seine Vielseitigkeit half ihm auch dabei, den Sprung ins Profilager zu vollziehen und zu einem recht gefragten deutschen Autor aufzusteigen. Doch das sollte keinesfalls das Aus für die Zusammenarbeit mit seinem Freund Jens Lossau sein, mit welchem er zusammen die schriftstellerische Reife erreichte. Der Schädeltypograph zeigt eindrucksvoll, dass beide besser harmonieren, denn je, und das Zusammenspiel lohnenswerte Früchte trägt. Angefangen bei den plastisch angelegten, mit liebenswert verschrobenen Eigenschaften versehenen, Figuren bis hin zu dem historischen Hintergrund ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Alleine schon die beiden Hauptpersonen Passfeller und Grosch machen die Lektüre zu einer wahren Freude. In lockerem Tonfall werden sie beschrieben, und in ebensolchem agieren sie auch innerhalb der Handlung – es vergehen keine zehn Seiten, in denen nicht einer von beiden entweder mit Wortwitz oder skurrilen Taten für humorvolle Einlagen sorgt. Entgegen so machen Kollegen, die verkrampft versuchen, Heiterkeit in ihr Geschehen mit einzubauen, gelingt es Lossau und Schumacher auf lockere und adäquate Art und Weise. Ungezwungen werden Anspielungen auf Filme und Bücher, und sogar den Drei Fragezeichen, als teilweise sogar selbstironische Momente eingebaut. Eines der ersten Opfer ist ein Student namens Andreas Schnaas – den einige der Leser wahrscheinlich durch seine Homemade Filme wie die Violent Shit Trilogie kennen dürften. Doch nicht nur auf dieser Seite kann gepunktet werden, denn die Geschichte kann auch durch den sehr gut recherchierten Hintergrund begeistern. Dadurch kann der Roman auch zum Teil der zu neuem Ruhm gekommenen Literaturgattung des Regionalkrimis zugeschrieben werden. In der Heimatstadt des Johannes Gutenberg, Mainz, angesiedelt, fließen etliche historische Fakten in das Gesamtwerk ein, oder bilden sogar einen zentralen Bestandteil. Dadurch gewinnt das Geschriebene natürlich einen zusätzlichen Reiz für die in Mainz lebenden, oder an der Universität – die einen zentraler Schauplatz darstellt – studierenden Leser. Doch auch auswärtige wird diese Art des hiesigen Ansiedelns ansprechen, da zu wenige Autoren ihre Geschichten in deutschen Landen spielen lassen. Die eigentliche Handlung ist gut durchstrukturiert und entbehrt nicht einiger überraschender Wendungen, die den Spannungsbogen, nach einem etwas verwirrenden Einstieg, ständig auf einem hohen Level halten.

Ausstattung:
Die Aufmachung des Hardcovers aus dem noch jungen Societäts-Verlag ist sehr schön gelungen, und man erkennt sehr gut die Arbeit, die hierin investiert wurde. Alleine schon der sehr ansprechend und adäquat gestaltete Schutzumschlag mit beschichteten Elementen ist äußerst bemerkenswert: ein Bildnis von Gutenberg auf stimmigem einfarbigen Hintergrund, versehen mit beschichteten Augen, sowie einem Überdruck von fotografierten Lettern. Auch Lektorat und Satz wurde entsprechendes Augenmerk geschenkt, und so ergibt sich auch bei der Umsetzung ein durchweg guter Gesamteindruck.

Fazit:
Lohnenswerte Krimikost mit Lokalkolorit aus deutschen Landen – in schöner Aufmachung (das Hardcover ist auf jeden Fall das Geld wert) !!!

© Heiko Henning
6.1.2005


Infos beim Vertrieb/Verlag:
http://www.societaets-verlag.de (externer Link!)

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Letzte Aktualisierung: 23.04.2017, 13:14 Uhr
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