25.05.2018, 07:36

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar wird 30 Jahre alt

Einzigartiges Literaturzentrum in Wetzlar – Weltweit größte Bibliothek des Sammlungsgebiets Phantastische Literatur

Als zum Jahresanfang 1988 in Wetzlar zunächst als Abteilung der Stadtbibliothek die Spezialbibliothek für Phantastische Literatur gegründet wurde, da waren ihre modernen Genres Science Fiction, Fantasy, Horror und Utopien zwar bereits bei den Lesern und Buchkäufern sehr populär, aber sowohl die Literaturwissenschaft als auch das Feuilleton der Tageszeitungen fasste diese Gebiete nur mit spitzen Fingern an. Einzig das phantastische Genre Märchen gehörte in den klassischen Kanon. Dass aber ein Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung mit phantastischer und spekulativer Literatur bestand, zeigte die Geschwindigkeit, mit der der Buchbestand dieser neuen Bibliothek wuchs, sowie die Unterstützung, die von Seiten der Autoren und der Verlage gewährt wurde: Binnen weniger Wochen waren über 10.000 Bücher vorhanden, und bei der Eröffnung anderthalb Jahre später im September 1989 waren es schon 35.000 Titel.

Heute ist die Phantastische Bibliothek – nach zwei Umzügen innerhalb der Stadt Wetzlar und nach einer Ausgründung als eigenständige gemeinnützige Stiftung – mit einem Bestand von 280.000 Titel weltweit die größte öffentlich zugängliche Bibliothek des Sammelgebiets Phantastische Literatur, und heute sind die Bereiche Science Fiction und Fantasy nicht mehr aus der Welt der klassischen wie modernen Medien wegzudenken. Fantasy boomt im Buch- und Spielemarkt, Science Fiction wird mittlerweile in den Innovationsabteilungen großer Unternehmen gelesen, und Dystopien wie George Orwells "1984" sind in einer Welt von Fake News prophetische Literatur geworden.

In Wetzlar ist mit der Phantastischen Bibliothek eine für jedermann offene Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsstätte geschaffen worden, die sich auf 1500 qm in einem repräsentativen Gebäude am Rande der Altstadt befindet und über Leseprojekte in Schulen und Kindertagesstätten, Fortbildungen für Lehrer und Erzieher, Lesungen, Vorträge und Workshops in der Bibliothek, Vorlesungen an Hochschulen, bis in Familien hineinreichende Leseförderung, wissenschaftliche und belletristische Publikationen, Kreatives Schreiben, Verlagsberatung, Preisvergaben und Bestenlisten in einzigartiger Fülle populäre Literatur vermittelt. Viele phantastische Titel, die sich in Wetzlar nachweisen lassen, finden sich an keinem anderen Standort in Europa mehr; die Phantastische Bibliothek bewahrt somit wichtige Kulturgüter. Hier werden phantastische Abenteuer des 19. Jahrhunderts aufbewahrt, gefährliche politische Zukunftsvisionen des Dritten Reichs, träumerische voyages imaginaires, klassische wie moderne gothic tales, überzeitliche mündlich tradierte Mythen und zeitlose Kinderbücher und natürlich auch die neueste experimentelle Literatur, die bereits unsere digitalisierte Welt widerspiegelt. Deshalb kommen Nutzer dieser einzigartigen Einrichtung aus ganz Europa nach Wetzlar: um in den Beständen zu arbeiten, wertvolle Schätze zu entdecken oder einfach nur zu schmökern.

Die Phantastische Bibliothek wurde anfangs gemeinsam getragen von der Stadt Wetz¬lar, einem Förderkreis und einer Förderstif¬tung. Im Frühjahr 2006 wurde aus pri¬vatem Kapital eine Trägerstiftung gegründet, die seitdem die Bibliothek besitzt, verwaltet, pflegt und weiterentwickelt.

35. Wetzlarer Tage der Phantastik 2018

Literarisches Symposion:
»Phantastische Bibliotheken: Eine Spurensuche«

Anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Phantastischen Bibliothek Wetzlar begibt sich das literarische Symposion der 35. Wetzlarer Tage der Phantastik auf eine Spurensuche nach dem Wesen phantastischer Bibliotheken: Was zeichnet eigentlich eine Bibliothek aus und was sind und werden Funktionen von Bibliotheken sein? Was macht eigentlich eine Bibliothek zu einer phantastischen Bibliothek? Und: welche möglichen und unmöglichen Entwürfe phantastischer Bibliotheken finden sich in der Literatur?

Gerade die phantastische Literatur rückt Bibliotheken in ein besonderes Licht. Sie werden beschrieben als besondere Orte, ein wenig der Umwelt entrückt, die Begegnung mit dem Wunderbaren ermöglichen. Nicht selten umgibt sie die Aura des Geheimnisvollen, das sich nur Eingeweihten erschließt oder solchen, die die Eintrittsbarrieren überwinden. Sie können unendlich, unsichtbar oder entrückt sein, werden von Bibliothekaren mit magischen Fähigkeiten verwaltet und auch verteidigt.

Das Symposion will sich auf eine Reise begeben, die einige der schönsten phantastischen Bibliotheken der Literatur aufsucht und ihre Besonderheiten erschließt.

Die Vortragenden kommen sowohl aus dem Bibliotheksbereich als auch aus der Literaturwissenschaft: Birgit Dankert, emeritierte Professorin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, ehemalige Sprechern der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände sowie Jurymitglied bei Deutschen Literaturperis und des LUCHS, spricht über phantastischen Potenziale real existierender Bibliotheken. Eric Steinhauer, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, Stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Hagen und Spezialist für „Morbid Library Studies“ beleuchtet die Bibliotheken innewohnende Morbidität. Markus May, Germanistik-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München betrachtet die Bibliothek als Lebens- und Textraum. Maren Bonacker, Leiterin der Kinderbibliothek der Phantastischen Bibliothek Wetzlar stellt Bibliotheken in der Kinder- und Jugendliteratur vor. Sabine Planka, Universtät Siegen, schließt mit einem Vortrag zu Bibliotheken in dystopischen Jugendromanen.

Zum Ausklang findet ein Werkstattgespräch mit Kai Meyer, Akram E-Bahay und Marah Woolf zu ihren Werken statt. Alle drei Autoren haben sich in ihren Romanen mit Bibliotheken auseinandergesetzt.

Quelle und Link:
https://www.phantastik.eu/ (externer Link!)




Letzte Aktualisierung: 08.06.2018, 13:12 Uhr
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